Dialog der Klangkulturen

29. März 2009, 18:42
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Eine Begegnung mit dem Werk von Klaus Huber und der arabischen Musikwelt

Salzburg - Das "Zittern", ob ein Projekt aufgeht, ob es ausreichend Publikumssogkraft entfaltet, gehört auch bei Routiniers des Konzertwesens wohl dazu. Im Falle der Salzburger Biennale war es für Festival-Initiator Hans Landesmann jedoch grundlos: Die Abende in der Uni Mozarteum und in der Stiftung Mozarteum waren gut besucht; es gab reichlich ausverkaufte Konzerte. Und auch die Integration von Salzburger Initiativen (u. a. Start-Festiva, Aspekte, IG Komponisten) erwies sich als sinnvoll.

Ein Erfolgsgrund wird jedoch auch an der Tatsache liegen, dass sich hinter dem Motto "Wahlverwandschaft" eigentlich zwei Festivals verbargen (und somit zwei Publikumswelten abgedeckt wurden). An vier Wochenenden wurden den Komponistenporträts von Beat Furrer, Steve Reich, Toshio Hosokawa und (nun zum Finale) Klaus Huber schließlich jeweils auch jene außereuropäischen Stilwelten zur Seite gestellt, von denen sich die Tonsetzer beeinflusst fühlen. Zum Moderne-Festival kam also eine Art "Weltmusikfest" hinzu, ein seit Jahren boomendes Segment. Hier konzeptuell elegant und logisch integriert.

Beim finalen Porträt von Klaus Huber kam man denn auch nicht nur in Berührung mit den Folgen der vom Schweizer Komponisten seit den 90er-Jahren betriebenen Auseinandersetzung mit dem arabischen Tonsystem - auch klassische arabische Musik war zu vernehmen. So demonstrierte etwa das Ensemble Al Kindi diesen sich in Richtung Ekstase entwickelnden Dialog zwischen Stimme und instrumentaler Assistenz. Und Komponist Hossam Mahmoud konfrontierte sich selbst (als Oud-Spieler) und den Geiger Frank Stadler mit jener vom Band kommenden Sufi-Stilistik, die Percussion, herbe Chorbegleitung und eine sich improvisierend hochschaukelnde Stimme verbindet.

Nicht nur bei Hubers Werkbeispielen gab es die Verbindung von europäischer Moderne und arabischer Welt zu belauschen. Das Ensemble für Neue Musik nahm sich Saed Haddads On Love 1 für Quanun (eine Art Zither) und Ensemble an, einer komplexen Komposition, aus der in stilisierter Form Tanzrhythmik aufzuleuchten schien. Der aus Ägypten stammende Amr Okba inszenierte in For the sake of Allah! I deserve nothing less than Glory ebenfalls einen Musikdialog der Kulturen und entwarf darüber hinaus (mit vier Sprechern) quasi auch einen Ort, an dem Muslime, Juden und Christen friedlich zusammenleben.

Noch raffinierter und vielschichtiger aber Hubers Klangwelt: Bei Die Seele muss vom Reiter steigen ... erlebt man nicht nur die elegante Integration von arabischen Instrumentalstimmungen. Das Werk konfrontiert auch ein modernes mit einem barocken Ensemble und ist zudem eine Art Tripelkonzert von Cello (Walter Grimmer), Baryton (einem barocken Streichinstrument, Max Engel) und Countertenor (Kai Wessel). Letzterer spricht auf Deutsch und singt auf Arabisch Texte des palästinensischen Dichters Mahmud Darwisch. Es versteht sich, dass bei so einer Fülle an Ansätzen auch ausdrucksmäßig Vielfalt herrschte.

Nicht nur für Letztere aber wird Klaus Huber (Jahrgang 1924) am Sonntag den Musikpreis Salzburg bekommen haben, der mit 80.000 Euro üppig dotiert ist. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD/Pritausgabe, 30.03.2009)

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