Doping, Werk und Wunsch

29. März 2009, 18:41
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Angebliche Lieferanten, aber auch "Enthüllerin" Hütthaler selbst schwer belastet - Strafrechts­befürworter mehren sich

Wien - Es wird ermittelt und Unschuld vermutet, wo an Schuld geglaubt wird, dass es nur so seine Bewandtnis hat im Dopingfall Österreich. Mittleres droht zusehends ins Hintertreffen zu geraten, wird doch jener Sportmanager M., der Lisa Hütthaler durch Heranführung an diverse Präparate derart gestärkt haben soll, dass die Wiener Neustädterin eine richtig gute Triathletin geworden ist, jetzt auch von Hütthalers Exfreund in Interviews mit der "Tiroler Tageszeitung" und "Österreich" ganz ohne Vermutung schwer belastet.


Nebenbei meint der Exfreund auch, dass sich die mittlerweile 25-jährige Hütthaler schon auch viel selbst zuzuschreiben hat vom tiefen Fall, den sie durch den Gang an die Öffentlichkeit zu stoppen gedachte. Sie habe auch tatsächlich versucht, seinerzeit, bei Öffnung der B-Probe ihres positiven Dopingtests im Analyse-Labor Seibersdorf eine Mitarbeiterin desselben zu bestechen. In dieser, im Geständnis von Hütthaler (für die die Unschuldsvermutung gilt) völlig ausgesparten Causa, sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen "versuchter Bestimmung zum Amtsmissbrauch" abgeschlossen. "Da ist noch nicht einmal Anklage erhoben worden" , sagte Hütthalers Anwalt Manfred Ainedter. Tatsächlich liegt der entsprechende Vorhabensbericht, in dem entweder die Einstellung des Verfahrens oder die Anklageerhebung vorgeschlagen wird, bereits bei der Oberstaatsanwaltschaft.

Es wird bestritten

Sportmanager M. weilt noch in Florida, er will am Dienstag nach Österreich zurückkehren, um sich selbst zu verteidigen bzw. verteidigen zu lassen. Da die ganze Sache "kein Kindergeburtstag" mehr sei, werde er nur noch "mit den staatlichen Behörden, sprich der Staatsanwaltschaft oder dem Bundeskriminalamt, reden" , sagte M. telefonisch dem ORF. Der ebenfalls von Hütthaler und ihrem Exfreund schwer belastete Kinderarzt Z. bestreitet alle Vorwürfe vehement.

Abseits von Enthüllungen und Ermittlungen präsentieren die nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) sowie Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos heute, Montag, passenderweise ein "Anti-Doping-Handbuch für Leistungssportler" . Anschließend steigt die erste Sitzung der interministerielle Arbeitsgruppe "Anti-Doping" mit Vertretern aus den Ministerien Sport, Justiz, Inneres und Gesundheit. Auch Nada-Chef Andreas Schwab wird teilnehmen.

Nach dem Radsportverband und Darabos hat sich auch der Triathlonverband (ÖTRV) dafür ausgesprochen, das Anti-Doping-Gesetz durch strafrechtliche Drohungen gegen dopende Sportler zu verschärfen. Der ÖTRV ersucht die Behörden, die Namen aller "Verdachtspersonen" der Nada-Rechtskommission zu übermitteln, "um sportrechtliche Maßnahmen prüfen zu können" . Käme die "Soko Doping" unter den derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen diesem Wunsch nach, würde sie sich selbst strafbar machen. (red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 30.3. 2009)

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    Die Soko ermittelt und beschlagnahmt.

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