Post an Herrn Pfost

29. März 2009, 18:35
2 Postings

Die Performancegruppe God's Entertainment im WUK

Wien - Es ist sicherlich eines der schlechtesten Tanzbücher, das die österreichische Performancegruppe God's Entertainment in ihrem Event Pfostmoderne am Samstag im WUK auf die Schaufel nahmen: die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts in einem Band mit 101 Choreografenportraits des ehemaligen FAZ-Kritikers Jochen Schmidt.

Was aber hat Haiko Pfost, Co-Leiter des Wiener brut-Theaters, mit diesem Buch zu tun? Denn auf seinen Namen bezieht sich der Titel der Aufführung, und ein Vertreter von God's Entertainment tritt auch als Pfost auf. Vor diesen traten 101 Freiwillige hin. In T-Shirts, auf die die Namen der in Schmidts Buch gelisteten Choreografen gedruckt waren, sagten oder spielten sie etwas zu den von ihnen "verkörperten" Künstlern und stiegen dann auf ein Bühnenpodest, das am Ende übervoll war. Nach zwei langen Stunden hatten die meisten recht traurige Gestalten abgegeben.

Eine Casting-Show, die offenkundig als Verschaukelung des brut-Theaters mit seiner Überfülle an Angebot gemeint war. Die Teilnehmer allerdings tappten in eine Falle: Sie wollten witzig sein, wirkten aber nur vorgeführt. Eines der Prinzipien der jüngeren Choreografie ist es, das Publikum eben nicht zu denunzieren. Nach ihrer Verächtlichmachung von Bewohnern eines Altersheims, Die lange Nacht der Alten (2007), hat die Gruppe es wieder versucht. Eine der Teilnehmerinnen qualifizierte das Werk in ihrem Beitrag dann auch als "Bobo-Scheiße", und damit war das Entertainment ohnehin gelaufen. (Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe, 30.03.2009)

Share if you care.