Gewerkschaft plant, "Presse" zu klagen

29. März 2009, 18:22
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"Ende des unabhängigen Journalismus" droht, sagt Gewerkschaftschef Franz C. Bauer - Journalisten in Zulieferfirma ausgelagert

Wien - Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus Papier bereitet eine Musterklage gegen "Die Presse" vor. Sie lagere Journalisten und Fotografen in eine Zulieferfirma (Die Presse Content Engine GmbH & Co KG) aus. Für den obersten Journalistengewerkschafter Franz C. Bauer "eine Verletzung des Kollektivvertrags".

Das Präsidium der Gewerkschaft habe die Klage beschlossen, sagt Bauer dem STANDARD. Es warte noch die Antwort der "Presse"-Führung ab. Bauer sieht in dem Prinzip "das Ende des unabhängigen Journalismus". Journalisten würden zu "Textfabrikanten, die nicht wissen, wofür sie schreiben", weil der Konzern verschiedene Medien damit bediene. Dienstverträge von Journalisten sehen aber etwa Ressorts vor. Weitergedacht müssten sie "auch Werbetexte" liefern.

Pirker verwundert

Die Gewerkschaftspläne wundern Horst Pirker, Vorstandschef der Styria Medien AG, der "Die Presse" gehört. Pirker zum STANDARD: "Wie man gegen ein Konzept eine Musterklage vorbereiten kann, ist mir nicht verständlich. Eine Content Engine nach meinen Überlegungen existiert nämlich noch nirgends. Es gibt nur bei der Presse eine Firma, die diesen Namen trägt aber höchst bedingt mit dem Content-Engine-Konzept zu tun hat." An seinem Konzept gebe es "nichts zu klagen". Klage sie trotzdem, "wird sie wieder verlieren, wie alle Verfahren gegen die Styria".

Pirker vermutet: "Die Gewerkschaft will, dass jede journalistische Tätigkeit in Österreich unter dem Kollektivvertrag für Redakteure bei Tageszeitungen läuft. Dafür muss man die Position vertreten, dass alle Informationsangebote im Internet unter der Marke einer Zeitung automatisch zur Tageszeitung werden. Würde ein Gericht dieser Überlegung folgen, müssten die digitalen Angebote von den Zeitungen auch dem Namen nach entkoppelt und die Zeitungen damit von ihrer eigenen Zukunft abgeschnitten werden."

"Journalismus ist kein Gewerbe"

"Die Presse" lagert nach STANDARD-Infos aus dem Verlag Fotografen und Bundesländerjournalisten in die Content Engine aus. Die Tochter hat Gewerbescheine für Film/Multimedia und Pressefotografie. "Journalismus ist kein Gewerbe", warnen Mitarbeiter.

"Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein", schrieb Karl Marx; auf ihre besondere Rolle gründen sich Vorrechte für Medien und ihre Macher; Verlage haben ihren Branchenverband abseits der Wirtschaftskammer. Die traditionell bürgerliche "Presse" verweist oft darauf, dass Marx für sie arbeitete. Inzwischen gehört sie der katholisch geprägten Styria. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 30.3.2009)

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    Styria-Chef Horst Pirker.

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