Die neue Waffe der Notenbanken

29. März 2009, 18:41
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"Quantitative Easing": US-Fed und andere Zentralbanken kaufen Staatsanleihen, um langfristige Zinsen zu drücken

NewYork/Wien - Die Federal Reserve hat vergangene Woche erstmals ihr neues Instrument im Kampf gegen die Rezession eingesetzt - "Quantitative Easing" . Die US-Notenbank startet dabei ihre Druckerpressen. Konkret kauft die Fed Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei bis zehn Jahren. Über das nächste halbe Jahr sollen so insgesamt 300 Milliarden Dollar, umgerechnet 225 Mrd. Euro, investiert werden. Das Ziel: niedrigere längerfristige Zinsen auf US-Bonds und damit auch geringere Kosten für die daran gekoppelten Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen.

Das ökonomische Kalkül ist einfach: Eine höhere Nachfrage nach Anleihen steigert deren Preise und senkt die Zinsen. Neben der Fed nutzen zuvor auch die japanische und die britische Notenbank dieses Instrument.

Die US-Notenbank unterstützt mit ihren Maßnahmen direkt die Regierung bei der langfristigen Finanzierung ihrer Konjunkturpakete. Der Effekt des Quantitative Easing auf die langfristigen Finanzierungskosten war anfangs massiv: Am Tag der Ankündigung durch Fed-Präsident Ben Bernanke sind die Zinsen auf zehnjährige US-Staatsanleihen um 0,5 Prozent auf 2,53 Prozent gefallen - so stark wie seit 1962 nicht.

15 Milliarden Dollar (11,3 Mrd. Euro) hat die Fed nun dafür in die Hand genommen. Wöchentlich sollen nun weiterhin rund zwölf Mrd. Dollar für das neue Instrument ausgegeben werden. Doch die Notenbanken stoßen angesichts milliardenschwerer Konjunkturpakete an ihre Grenzen. Während die Fed insgesamt 300 Mrd. Dollar verwenden möchte, wird das Budgetloch des US-Finanzministeriums, wie berichtet, nach Schätzungen des US-Repräsentantenhauses 1800 Milliarden Dollar ausmachen. Private Investoren und ausländische Notenbanken werden daher immer noch einen Großteil der neuen Staatsschuld zeichnen müssen.

Auktionen schon gescheitert

Doch genau diese Anleger fordern höhere Renditen. Denn zwei Faktoren machen Staatsanleihen derzeit für sie unattraktiv: die Flut an neuen Emissionen und eine höhere Inflationserwartung.
In Großbritannien etwa ist in der Vorwoche zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder eine Auktion von Staatsanleihen gescheitert. Die Nachfrage dafür war zu gering, obwohl auch die britische Notenbank vor kurzem die Notenpresse angeworfen hat. Auch in Deutschland sind 2009 bereits zwei Auktionen wegen zu geringer Nachfrage gescheitert.

Die neuen Maßnahmen der Notenbanken, die Kreditmärkte anzukurbeln, haben zudem die Inflationserwartungen hochgeschraubt. In den USA rechnen Investoren bereits mit knapp 1,4 Prozent Inflation über die nächsten zehn Jahre, nach nur 0,1 Prozent zu Jahresbeginn. Die Preisentwertung ist aber ein schlechtes Zeichen für Anleiheninvestoren. Sie verlangen für eine höhere erwartete Inflation auch höhere Zinsen - und machen einen Teil des Effekts der Intervention wieder zunichte. Die zehnjährigen, sind vom Tief wieder um 0,25 Prozent gestiegen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2009)

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