Air Berlin hat zwei neue Großaktionäre

29. März 2009, 17:42
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Türkische ESAS Holding will rund 15,3 Prozent kaufen, TUI Travel beteiligt sich mit 20 Prozent

Berlin - Die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, die mit 24 Prozent an Niki Laudas Airline Niki beteiligt ist, hat nach der Überkreuzbeteiligung mit TUIfly einen weiteren Großaktionär an Bord. Die in Istanbul ansässige ESAS Holding habe etwa 15 Prozent der Anteile aufgekauft, teilte Air Berlin am Sonntag mit. Das Kartellamt müsse dem Deal noch zustimmen. Am Freitag hatte Air Berlin die Zusammenarbeit mit TUI bekanntgegeben. Demnach beteiligt sich TUI Travel über eine Konzerngesellschaft mit 19,9 Prozent an Air Berlin, dafür übernimmt Air Berlin 19,9 Prozent der Anteile an TUIfly.

Zur ESAS Holding gehören unter anderem die türkischen Fluggesellschaften Pegasus Airlines und IZair. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Unternehmen der Holding den Angaben zufolge rund 445 Millionen Euro und beschäftigten mehr als 3.300 Mitarbeiter. Laut einer Ad-hoc-Veröffentlichung wird die Holding künftig im Board von Air Berlin mit einem Non-Executive Director vertreten sein.

Air Berlin erklärte, die ESAS-Aktien stammten aus dem Paket des US-Investors Len Blavatnik, der zu Jahresbeginn seinen Air-Berlin-Anteil von 18,9 Prozent verkauft hatte. "Wir sind ganz froh, dass sich die Familie Sabanci dazu entschlossen hat, einen Teil des Aktienpakets von Len Blavatnik zu kaufen", sagte ein Firmensprecher. "Wir finden den Schritt gut, weil wir dann jemanden als Aktionär haben, den wir bereits kennen. Zweitens kennt sich die Familie Sabanci bereits im Luftfahrtgeschäft aus. Und ESAS ist eine solide finanzierte Unternehmensgruppe." Ob sich aus der Beteiligung strategische Möglichkeiten für Air Berlin ergäben, werde sich zeigen. "In der Türkei ist Air Berlin bisher nicht so stark."

Die Zusammenarbeit zwischen Air Berlin und TUIfly hatte sich bereits seit längerem angekündigt. Als zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft übernimmt Air Berlin damit die Städteverbindungen von TUIfly, während sich der Partner auf touristische Flüge konzentriert. Die Vereinbarung steht ebenfalls unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden.

Touristikkonzern

Die am Flughafen Hannover ansässige TUIfly ging im Sommer 2007 aus der Zusammenführung von Hapag-Lloyd Express (HLX) und Hapagfly hervor und ist inzwischen die drittgrößte deutsche Airline. TUIfly gehört zur TUI Travel PLC, an der die TUI AG mehrheitlich beteiligt ist. Der Touristikkonzern bemüht sich seit längerem, seine Luftverkehrsaktivität auf das Kernfeld, also das Chartergeschäft, zu beschränken.

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold erklärte, sein Unternehmen gewinne durch die Allianz mit TUIfly den Zugang zu wirtschaftlich interessanten Märkten und baue sein europäisches und innerdeutsches Streckennetz aus. TUI-Travel-Vorstand Volker Böttcher betonte, durch die Kooperation müssten "nur wenige Arbeitplätze" abgebaut werden.

Air Berlin hatte bereits Mitte des Monats erklärt, mit TUIfly über eine Kooperation zu verhandeln. Durch das Geschäft bekommt Air Berlin wieder einen stabilen Großaktionär, während TUI eine Perspektive für die seit Jahren Verluste schreibende Flugtochter erhält. Zudem könnte die von Experten erwartete Konsolidierung am deutschen Ferienflugmarkt vorankommen.

Die Kooperationspläne waren auf Widerstand beim Air-Berlin-Großkunden Alltours gestoßen, der vor allem den Einstieg von TUI bei Air Berlin kritisierte. "Wir können uns nicht vorstellen, unser Hauptvolumen über eine Airline zu fliegen, die von einem Mitbewerber kontrolliert wird", hatte ein Alltours-Sprecher gesagt. Der viertgrößte deutsche Reiseveranstalter hatte für Furore gesorgt, als Alltours-Chef Willi Verhuven nach der Fusion des TUI-Ferienfliegers Hapag-Lloyd und dem Billigflieger HLX zu TUIfly sämtliche Kontingente bei der Fluggesellschaft gekündigt hatte. Grund dafür war der neue Name TUIfly, in dem Verhuven einen zu großen Werbeeffekt für den Wettbewerber TUI sah.

Nettoverlust ausgeweitet

Im Geschäftsjahr 2008 hat die Fluglinie einen deutlich höheren Nettoverlust von 75 Mio. Euro nach einem Verlust von 39,9 Mio. Euro im Jahr davor eingefahren. Ursache dafür ist ein deutlich schlechteres Finanzergebnis. Rein operativ wurde ein Ergebnis (EBIT) von 14,2 Mio. Euro erzielt. Der konsolidierte Gesamtumsatz erreichte 3,40 Mrd. Euro (pro forma 2007: 3,19 Mrd. Euro), ein Plus von 6,7 Prozent. Dies teilte die Gesellschaft am Montag ad-hoc mit.

Der operativen Ertragsverbesserung durch das im Sommer 2008 initiierte Performanceprogramm stehe eine deutliche Abschwächung des Finanzergebnisses gegenüber, heißt es. So konnte trotz hoher Zusatzbelastungen aufgrund der stark angestiegenen Aufwendungen für Treibstoff eine Ausweitung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasingkosten (EBITDAR) erreicht werden, welches sich von 427,4 Mio. Euro in 2007 um 11,6 Prozent auf 476,8 Millionen Euro verbesserte.

 

Air Berlin hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte seines Börsenwertes verloren und wurde am Freitag in Frankfurt mit 3,08 Euro gehandelt. An die Börse gekommen waren die Aktien 2006 zum Emissionspreis von zwölf Euro. (APA/Reuters/AP)

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