"Licht aus" in 4.000 Städten für den Klimaschutz

30. März 2009, 12:24
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Geringe Beteiligung in Österreich - neue Klimaschutz-Verhandlungen in Bonn

Hamburg/Wien/Bonn - Licht aus für den Klimaschutz: Rund um den Globus haben Menschen am Samstag für eine Stunde Leuchtreklamen, Lampen und Laternen ausgeschaltet, um gegen die Erderwärmung zu demonstrieren. Nach Angaben der Umweltstiftung Worldwide Fund for Nature (WWF) beteiligten sich etwa 4.000 Städte und Gemeinden in 88 Ländern an der Aktion "Earth Hour". Unterdessen hat UNO-Klimachef Yvo de Boer zum Auftakt neuer Verhandlungen in Bonn an die Industrieländer appelliert, beim Klimaschutz voranzugehen.

Beginn auf Chatham-Inseln

Den Anfang bei der auch von den Vereinten Nationen unterstützten "Earth Hour" machten um 20.30 Uhr Ortszeit die Chatham-Inseln, etwa 800 Kilometer östlich von Neuseeland. Als erste Metropole war die australische Stadt Sydney dran, später folgten Großstädte wie Tokio, Peking, Paris und New York. In Hamburg blieb zum Beispiel das große Volksfest "Dom" größtenteils dunkel, in Berlin gingen die Lichter unter anderem am Roten Rathaus aus.

In Frankreich beteiligten sich rund 200 Städte. In Paris stand der Eiffelturm aus Sicherheitsgründen aber nur für fünf Minuten im Dunkeln. In Spanien machten etwa 100 Ortschaften mit - unter anderem löschten der Königspalast in Madrid und die Kathedrale von Sevilla ihre Lichter. In Dunkelheit hüllten sich auch die ägyptischen Pyramiden und der Vatikan in Rom. In New York wurde die Beleuchtung am Empire State Building und anderen Wolkenkratzern abgeschaltet.

"Unglaublicher Erfolg"

"'Earth Hour 2009' war ein unglaublicher Erfolg", meinte WWF-Generaldirektor James Leape. Die Organisatoren wollten mit der Aktion ihre Betroffenheit über die globale Erwärmung zum Ausdruck bringen. Die Idee ging von der Metropole Sydney aus, die 2007 als erste Stadt die Lichter für eine Stunde ausgeschaltet hatte. Ihr folgten im vergangenen Jahr etwa 500 Städte weltweit.

Greg Bourne, Cheforganisator der "Earth Hour" vom australischen WWF, gab zu, dass die Aktion eher Energie verbraucht anstatt zu sparen. "Es ist symbolisch. Und darum geht es", sagte er. "Es kommt darauf an, ein sichtbares Zeichen für die Politik zu setzen, damit sie langfristige Entscheidungen trifft." Andere äußerten Kritik. Der Umweltexperte Stephen Healy von der australischen Universität von New South Wales monierte, dass die Aktion nicht über ihre Symbolkraft hinausgehe. Ökonom David Solomon von der amerikanischen Universität von Chicago sagte, dass die Teilnahme weit überschätzt wird.

Kein Erfolg in Österreich

In Österreich war der Aktion ebenso geringer Erfolg beschert wie dem alljährlichen autofreien Tag: Als einzige österreichische Netzgesellschaft verzeichnete die Salzburg AG am 28. März zwischen 20.30 und 21.30 Uhr eine messbare Auswirkung. Im restlichen Österreich gab es laut Umfrage des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) keine Effekte.

In einer Phase ohnehin fallender Netzlast war um 20.30 Uhr in Salzburg ein zusätzlicher Abfall von etwa fünf Megawatt erkennbar. Eine Lastveränderung von fünf MW entspricht übrigens lediglich weniger als einem Prozent der Stromabgabe zu diesem Zeitpunkt, an dem schon üblicherweise wenig Strom verbraucht wird. Nach zehn Minuten schwächte sich der Effekt wieder ab, nach circa 20 Minuten war das ursprüngliche Lastniveau wieder erreicht. Dies deute darauf hin, dass um 20.30 Uhr durch die Kunden zwar Lichtabschaltungen erfolgten, diese aber nach zehn bis 20 Minuten wieder aufgehoben und nicht eine volle Stunde beibehalten wurden.

Klare Botschaft

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die Menschen zu der Aktion aufgerufen: "'Earth Hour' ist ein Weg für die Bürger, um eine klare Botschaft zu senden." Die Aktion fand einen Tag vor Beginn einer Vorbereitungsrunde in Bonn für die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen statt. In Dänemark treffen sich im Dezember 190 Länder, um ein weltweites Klimaabkommen zu vereinbaren.

De Boer sagte in Bonn, bei der zehntägigen Verhandlungsrunde müsse die Staatengemeinschaft einer politischen Lösung näherkommen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer würden aber einem neuen Klimapakt nur zustimmen, wenn die Industrieländer klare Ziele für die Verminderung ihrer Treibhausgase benennen und auch Finanzzusagen für ärmere Länder machten. Für die abschließenden Verhandlungen für ein neues Klima-Abkommen im Dezember in Kopenhagen müssten bereits bis Juni Vertragstexte vorliegen. "Die Uhr läuft und die Staaten haben noch eine Menge Arbeit vor sich." (APA/dpa/red)

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    Auch Big Ben blieb eine Stunde im Dunkeln.

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