AKP verliert deutlich Stimmen

30. März 2009, 18:32
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Schlappe für Erdogan bei Kommunalwahlen

"Wir haben die Botschaft des Volkes gehört. Wir werden zukünftig besser arbeiten." Das erste Mal in der Geschichte der türkischen Regierungspartei AKP musste Premier Recep Tayyip Erdogan nach einer Wahl eingestehen, dass seine Partei ihre Ziele nicht erreicht hat. Mindestens 50 Prozent wollte Erdogan bei den landesweiten Kommunalwahlen gewinnen, gerade einmal 40 Prozent wurden es am Ende. Nur mit Mühe konnte die AKP die Hauptstadt Ankara und die eigentliche Metropole des Landes, Istanbul, halten. In beiden Städten regiert die islamische Partei seit 1994.

Die Wahlnacht wurde in Istanbul besonders spannend, zeitweilig lag der Abstand zwischen dem AKP-Bürgermeister Kadir Topbas und seinem Herausforderer von der kemalistischen CHP, Kemal Kilicdaroglu, den die Medien aufgrund seines Aussehens und seiner sanften Stimme den Gandhi von Istanbul nennen, nur noch bei zwei Prozent. Am Ende reichte es dann zwar doch noch für Topbas, aber dass die AKP an den Rand einer Niederlage kam, hatte zuvor niemand für möglich gehalten.

Obwohl die CHP sich als wichtigste Oppositionspartei und laizistische Alternative zur AKP in absoluten Zahlen nur unwesentlich verbessern konnte, gelangen ihr doch überraschende Erfolge. Außer dem guten Abschneiden in Istanbul zählen dazu der Gewinn der Tourismusmetropole Antalya und der deutliche Gewinn von Izmir. Die CHP kontrolliert nun mit einer Ausnahme alle Städte und Landkreise entlang der Ägäis und der Mittelküste. Die Landkarte der Türkei zeigt damit eine klare Abgrenzung: die Küste gehört den Laizisten, das Landesinnere der AKP. Mit einer Ausnahme: Der Kurdische Südosten hat klar ethnisch gewählt. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul/DER STANDARD, Printausgabe, 31.3.2009)

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