BMW Z4 mit Hardtop: Zum Golf im Scharfpelz

28. März 2009, 19:31
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BMWs erster Hardtop-Roadster kommt mit drei Sechszylinder-Motoren. Der 35i Twin Turbo mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe: Bayernpower pur

Vorweg einmal ein Tipp: Wenn Sie im BMW Z4 35i sitzen, den Startknopf bereits gedrückt haben, die elektrische Handbremse gelöst ist und der Schalthebel des 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebes auf "D" steht, dann greifen Sie doch bitte zum Schalter neben dem Ganghebel und drücken zweimal auf die "Sport"-Taste, sodass auf dem Display hinterm Lenkrad "Sport+" steht und das Schleuder-Lämpchen leuchtet. Die dynamische Traktionskontrolle ist dann genauso aktiviert wie Ihr Dauerlächeln. Die "Sport+"-Einstellung erlaubt den Hinterrädern so viel Schlupf, dass einem edlen Drift beim Semmelnholen nichts mehr im Wege steht. Das System greift erfreulich spät, aber lange, bevor Sie beim Bäcker komplett querstehen, ein. Wollen Sie allerdings gerade das, müssen Sie das DSC ganz abdrehen.

Komplett abgedreht ist auch die Ankündigung der vielen Stau-Möglichkeiten. Wer einen Blick in den Z4 wirft, wird bald verstehen, dass damit der Hohlraum in der Armlehne, die Netze im Beifahrerfußraum, alle Fächer und Ablagen im Auto gemeint sind. Nicht angesprochen sind die elektronischen Spielereien wie das iDrive mit einem Display, das auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch ablesbar ist, oder das 650 Watt starke Radio mit zwei Subwoofern und 15-Gigabyte-Musikarchiv, mit dem jeder Stau zum Kinderfasching wird.

Obschon, wer bei Reihen-Sechszylinder mit Twin-Turbo-Aufladung ein Radio einschaltet, tut den Sound-Ingenieuren des Z4 Unrecht. Vor allem, wenn das Hardtop zusammengefaltet im Kofferraum verschwindet und so das für einen Roadster stattliche Ladevolumen von 310 auf 180 Liter schrumpft, hört man hinterm Lenkrad die Klangwolke aufsteigen wie ein fürchterliches Gewitter.

Im Z4 35i wird mit einem Drehmoment von 400 Newtonmetern und einer Leistung von 306 PS der Golftasche das Fürchten gelehrt, die man durch die Ladeöffnung zum Fahrgastraum verstauen kann. Nur 20 Sekunden später, wenn das Hardtop vollelektronisch wieder geschlossen ist, passen sogar zwei Golftaschen in das Heck des Spaßmobils.

Dass im neuen Z4 überhaupt ein Hardtop verbaut wird, ist zum einen ein Zugeständnis ans Design, weil man mit dem Stoffdach die Linien der Haube nicht bis ins Heck hätte ziehen können, und zum anderen an die potenziellen Käufer, die sich ein praktisches, sportliches Ganzjahresauto wünschen.

BMW möchte mit dem Z4 Puristen ansprechen, die Wert auf Eleganz, Stil und Komfort legen. Der Z4 ist im Vergleich zum Vorgänger weicher geworden, was die Fahrwerksabstimmung betrifft. Wer ihn härter haben will, der greift zum optionalen M-Sportfahrwerk. Damit ist der Z4 dann von flauschig weich bis brettlhart alles auf Knopfdruck. Und mit dem Fahrwerk kann man den Golfsack ruhig im Geschäft lassen; sonst fährt man zum Golf im Scharfpelz und steigt dort erst nicht aus dem Auto. (Guido Gluschitsch/DER STANDARD/Automobil/27.3.2009)

  • Dank Efficient Dynamics kommt der Z4 35i mit 304 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe im EU-Mix mit neun Litern aus.
    foto: werk

    Dank Efficient Dynamics kommt der Z4 35i mit 304 PS und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe im EU-Mix mit neun Litern aus.

  • Kein Stoff-dach mehr. BMW ist stolz auf den ersten Roadster mit versenk-barem Hard-top, der in 20 Sekunden Coupé oder Cabrio ist.
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    Kein Stoff-dach mehr. BMW ist stolz auf den ersten Roadster mit versenk-barem Hard-top, der in 20 Sekunden Coupé oder Cabrio ist.

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