Karzai: "Genau das, worauf das Volk gehofft hat"

28. März 2009, 15:30
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Neue Strategie stößt weltweit auf positives Echo - US-Geheimdienst rechnet mit Zunahme der Gewalt

Kabul - Die neue Afghanistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama ist weltweit auf ein positives Echo gestoßen. Afghanistans Präsident Hamid Karzai begrüßte sie am Samstag als "besser als erwartet". Insbesondere lobte er den Plan, Polizei und Streitkräfte des Landes zu stärken und die zivile Wiederaufbauhilfe zu erhöhen. Die geplanten Maßnahmen würden dem Land dabei helfen, den Terrorismus zu bekämpfen und die Stabilität zu verbessern, sagte Karzai. "Das ist genau das, worauf das afghanische Volk gehofft hat."

US-Präsident Barack Obama hatte seine Strategie am Freitag vorgestellt. Er kündigte an, die US-Kampftruppen in Afghanistan bis Ende des Jahres um 17.000 Soldaten zu verstärken. Zusätzlich werden 4.000 Militärausbilder entsandt. Obama will zudem Pakistan stärker einbeziehen und gegen Zufluchtsorte von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern dort vorgehen. Auch dieses Vorhaben stieß auf die Zustimmung Karzais, dessen Macht nicht mehr weit über Kabul hinausreicht.

Last des Afghanistan-Konflikts

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari begrüßte Obamas Pläne als "positive Veränderung". Die Regierung in Islamabad werde nicht zulassen, dass Pakistan für Terrorangriffe benutzt werde, erklärte der Staatschef vor dem Parlament. Zugleich aber gelte es, "Pakistans Souveränität um jeden Preis zu schützen", bezog er sich auf die Ankündigung Obamas, Extremisten auch in pakistanischen Rückzugsgebieten treffen zu wollen.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der britische Premierminister Gordon Brown lobten in der Nacht zum Samstag Obamas Pläne. Ban-Sprecherin Michele Montas erklärte, die UNO erwarte jetzt ein verstärktes weltweites Engagement beim Wiederaufbau. Brown forderte weitere NATO-Länder auf, die Last des Konflikts in Afghanistan mitzutragen. Dies werde ein Thema beim NATO-Gipfel in Straßburg, Baden-Baden und Kehl kommende Woche sein.

"NATO ist keine Weltpolizei"

Vorbehalte wurden unterdessen gegen die französische Idee einer Entsendung von Kräften der europäischen Gendarmerie EGF nach Afghanistan geäußert. Für den schwedischen Außenminister Carl Bildt ist unklar, wie die Gendarmerie mit EUPOL und der NATO-geführten Afghanistan-Truppe ISAF zusammenarbeiten könnte. Auch der italienische Außenminister Franco Frattini nannte das Projekt "kompliziert". Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) äußerte sich zufrieden über das deutsche Engagement in Afghanistan. "Wir leisten viel", sagte er dem Südwestrundfunk am Samstag. Wünschenswert wäre es allerdings, wenn sich der eine oder andere europäische Partner auch in diesem Umfang engagieren würde. Jung warnte davor, die NATO zu überfordern: "Die NATO ist keine Weltpolizei."

Der US-Geheimdienst rechnet trotz der Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan in diesem Jahr mit einer Zunahme der Gewalt. Die Taliban hätten die Kontrolle im Süden und Osten des Landes wiedererlangt, sagte ein ranghoher Geheimdienstmitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Freitag vor Journalisten. Das Wiedererstarken der Islamisten sei möglich geworden, weil nicht genügend afghanische und NATO-Soldaten zum Kampf gegen die Taliban zur Verfügung stünden.

Unterstützung aus Pakistan

Mit Blick auf das Nachbarland Pakistan bekräftigte US-Generalstabschef Michael Mullen im Sender CNN, es gebe Hinweise auf eine Unterstützung des Terrornetzwerks Al-Kaida und der Taliban durch den pakistanischen Geheimdienst ISI. Nach einem Bericht der "New York Times" unterstützen Geheimdienstler die Taliban in Afghanistan im Kampf gegen die Regierung in Kabul, und zwar mit Geld, Waffen und strategischer Beratung. Dem pakistanischen Geheimdienst ISI wird immer wieder vorgeworfen, seine noch aus dem Abwehrkampf gegen die Sowjet-Besatzung herrührenden Verbindungen zu den Islamisten nicht zu kappen.

Im Nordwesten Pakistans zerstörten Taliban am Samstag ein Dutzend Lastwägen mit Nachschub für die NATO-Streitkräfte in Afghanistan, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Pakistan ist die wichtigste Nachschub-Route für die NATO und die US-geführten Streitkräfte in Afghanistan. Bei einem Angriff der pakistanischen Armee auf ein Rebellenlager im Stammesgebiet Mohmand wurden mindestens zwölf mutmaßliche Rebellen getötet und mindestens acht Menschen verletzt, wie die Sicherheitskräfte mitteilten. Die Kampfhandlungen ereigneten sich einen Tag nach dem Selbstmordanschlag auf eine Moschee in Jamrud bei Peshawar, bei dem rund 50 Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden. Die Hinterbliebenen trugen die Opfer am Samstag zu Grabe, berichteten Augenzeugen.

Im Süden Afghanistans töteten afghanische und internationale Streitkräfte zwölf mutmaßliche Aufständische. Nach Darstellung der Taliban wurden elf Zivilisten getötet. Der Angriff in der Nacht auf Samstag habe sich gegen Einrichtungen zum Bau von Sprengsätzen gerichtet, erklärte die US-Armee zu dem Einsatz in der Unruheprovinz Helmand. (APA/AFP/AP)

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