Ein Kind, das alles haben will

27. März 2009, 20:43
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Im Bilderbuch von Daniela Kulot sind es Hunde, die einkaufen, reden und Bücher lesen

Lieb schauen können die Kinder ja, wenn sie etwas haben wollen. Der Blick! Als ob sie ihn jahrelang geübt hätten. Und dann das Unverständnis, die ehrliche Entrüstung, wenn er nichts genützt hat. Das Lieblingswort der eigenen Tochter in dem Zusammenhang: „Gemein!" Andersrum ist man natürlich der „liebste Papa der Welt". Schwere Sache also. Aber in einer Welt, in der das Geld unendlich oft aus dem Bankomaten kommt, man nur „neues holen" muss, da sitzen Wünsche locker.

"Das will ich haben!" heißt das Bilderbuch von Daniela Kulot. Im Falle Alindas, die mit ihrer Mama einkaufen geht, ist es ein Buch. Den Buchladen findet sie „am schönsten". Und will sofort ein Buch haben. Unbedingt natürlich. Die Mutter sagt: „Wir haben kein Geld mehr übrig"- ein Kleid, das sie sich ausgesucht hat, legt sie ja auch zurück. Alinda tut das leider nicht. Ein Wachmann stellt sie, findet das Buch bei ihr. Weil es ein Kinderbuch ist, gedacht für kleine Leser ab dem vierten Lebensjahr, drückt er ein Auge zu. Auf der Heimfahrt schweigen Mutter und Kind. Das ist auch die Stelle im Buch, die das eigene Kind am meisten beschäftigt. Kulot hat ihre Geschichte, die so menschlich ist, zeichnerisch im Tierreich angesiedelt. Es sind Hunde, die hier einkaufen, reden und Bücher lesen. Der Text ist kurz gehalten, ergänzt wird er durch eindrückliche Bilder, die die Gefühlslage Alindas gut wiedergeben. Am Ende der Geschichte setzen sich Mutter und Kind hin und basteln an ihrem eigenen Buch. Wie es heißt? „Das will ich haben!" natürlich. (Peter Mayr/DER STANDARD-Printausgabe, 28.3.2009)

Daniela Kulot
"Das will ich haben!"
13,30 Euro, 32 Seiten
Thienemann, Stuttgart 2009

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