„Manche Dinge muss man schnell machen"

27. März 2009, 20:37
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Für die Einführung des Gratiskindergartens ist nun Christian Oxonitsch verantwortlich

STANDARD: Sie haben bei Ihrer Wahl zum Stadtrat am Donnerstag jede Menge Vorschusslorbeeren bekommen - auch von der Opposition. Kann man sich darüber uneingeschränkt freuen oder wird man da auch ein bisschen nervös? 

Oxonitsch: Nein, man kann sich einfach darüber freuen, weil es zeigt, dass wir in den letzten Jahren zu einem guten Gesprächs- und Arbeitsstil gefunden haben.

STANDARD: Laut Meinungsforschern läuft die Wiener SPÖ Gefahr, ihre Absolute zu verlieren. Ist Ihre Ernennung zum Stadtrat ein erstes Indiz dafür, dass sich die SPÖ auf eine Koalition einstellt?

Oxonitsch: Ich wurde deshalb zum Stadtrat bestellt, weil sich Grete Laska entschlossen hat, sich aus dem politischen Geschäft zurückzuziehen. Das ist der einzige Grund, andere Überlegungen gibt es dahinter überhaupt nicht.

STANDARD: Mit der Ankündigung des Gratiskindergartens für alle hat Bürgermeister Häupl endgültig den Wahlkampf ausgerufen. Damit das Projekt der SPÖ stimmenmäßig etwas bringt, sollte es aber wie versprochen bis Herbst realisiert sein. Als Bildungsstadtrat ist das nun Ihre Aufgabe. Wie wollen Sie das schaffen?

Oxonitsch: Wir haben im vergangenen halben Jahr 2600 zusätzliche Plätze geschaffen, wir werden heuer noch weitere 1000 zusätzliche Plätze schaffen können. Und wir führen bereits Verhandlungen mit den privaten Trägern, um zu einer vertraglichen Lösung zu kommen. Die laufen derzeit sehr gut, vor allem mit den großen, gemeinnützigen Trägern. Wir werden uns dann in weiterer Folge anschauen, wer noch bereit ist, sich an diesem Modell zu beteiligen.

STANDARD: Momentan fehlt es für die flächendeckende Einführung des Gratiskindergartens allerdings an Räumlichkeiten, Personal und Geld. Erfolgte die Ankündigung zu vorschnell?

Oxonitsch: Manche Dinge muss man schnell machen. Jetzt heißt es mit voller Kraft voran, damit die Menschen möglich rasch in den Genuss dieser Entlastung kommen. Es wird sich jedes Kind, das einen Kindergartenplatz besucht, ab Herbst mindestens 226 Euro ersparen. Man kann so etwas nicht eineinhalb Jahre vorher ankündigen. Dann fragt sich jeder, warum man so lange gewartet hat. Danach muss man sich eben beeilen, aber das ist halt so.

STANDARD:Sollte man‘s nicht erst ankündigen, wenn man weiß, dass man‘s schafft?

Oxonitsch: Wir sind überzeugt davon, dass wir‘s schaffen. Weil die Verhandlungen mit den großen Trägern schon weit fortgeschritten sind. Und man braucht sich auch nur die Zahlen ansehen. Im Bereich der 3- bis 6-Jährigen haben wir ein Versorgungsgrad von 92 Prozent. Ein großer zusätzlicher Schwung in diesem Alterssegment ist nicht zu erwarten. Bei den 0 bis 3-Jährigen weiß niemand ganz genau, wie groß die Nachfrage dann tatsächlich auch sein wird, daher kann man nur alles unternehmen, um das Angebot möglichst rasch zu schaffen. Dass es jemanden geben wird, der in seinem Wunschkindergarten in seiner unmittelbaren Nähe keinen Platz bekommt und deshalb einen anderen Platz suchen muss, werden wir immer erleben.

STANDARD: Viele Wiener Eltern, die in Außenbezirken wohnen, schicken ihre Kinder nicht in ihrem Viertel in die Schule, weil sie fürchten, dass sie dort aufgrund des hohen Ausländeranteils zu wenig gefördert werden. Werden Sie sich um mehr Durchmischung bemühen?

Oxonitsch: Worum es mir geht, ist, vermehrte Ressourcen in jenen Schulen anzubieten, in denen es einen höheren Anteil von ausländischen Kindern gibt. Und auch hier muss man differenzieren. Denn ausländische Kinder sind nicht immer im Zusammenhang mit der Sprachkompetenz zu sehen. Hier wird natürlich auch ein politisches Spiel gespielt.

STANDARD: Dass viele in Österreich geborene Zuwandererkinder bei der Einschulung kein Wort Deutsch können, ist aber eine Tatsache.

Oxonitsch: Ja, und das Problem ist auch Ernst zu nehmen._Darum haben wir auch das neue Schuleinschreibmodell, wo bereits eineinhalb Jahre vor dem Schuleintritt festgestellt wird, ob es zusätzlichen Förderbedarf in der Sprachkompetenz oder auch der sozialen Kompetenz gibt - egal, woher die Kinde sind.. Damit diese Kinder bereits vor Schuleintritt Förderung bekommen. Dieser Weg ist weiterhin auszubauen und wird auch durch den Gratiskindergarten forciert.

STANDARD:Wie soll dieser Ausbau konkret aussehen?

Oxonitsch: Erstens durch das verpflichtende Kindergartenjahr. Dass wir sicherstellen, dass alle Kinder bereits im Kindergarten Förderungen bekommen. Aber auch im laufenden Schulbetrieb, durch zusätzliche Begleitlehrer. Hier die nötigen Ressourcen sicherzustellen, ist eine wesentliche Aufgabe.

STANDARD: Gibt es etwas, für das Sie sich als Wiener genieren?

Oxonitsch: Wenn ich manche FPÖ- Plakate auf der Straße sehe, gibt es einiges, für das ich mich geniere. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 28./29. März 2009)

Zur Person

Christian Oxonitsch (47), sitzt seit 1997 im Gemeinderat, von April 2007 bis zu seiner Wahl zum Stadtrat für Bildung, Jugend und Sport vergangenen Donnerstag war der Ottakringer Klubchef der Wiener SPÖ.

  • Das neue Stadtregierungsmitlied Christian Oxonitsch will das
Förderangebot an Schulen mit hohem Migrantenanteil ausbauen: „Hier die
nötigen Ressourcen bereitzustellen, ist eine wesentliche Aufgabe."
    foto:standard/urban

    Das neue Stadtregierungsmitlied Christian Oxonitsch will das Förderangebot an Schulen mit hohem Migrantenanteil ausbauen: „Hier die nötigen Ressourcen bereitzustellen, ist eine wesentliche Aufgabe."

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