"Unsere Kinder brauchen einen Ortswechsel"

27. März 2009, 19:31
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Familiäre Atmosphäre und Freiraum bräuchten Schüler nachmittags, sagt Hortleiterin Ursula Fürst

STANDARD: Sind Schulen räumlich für Nachmittagsbetreuung geeignet?

Fürst: Wenn sie viele Freiflächen und Extraräume haben, ja. Doch vielen kleinen Schulen fehlen diese Kapazitäten.

STANDARD:  Ihre Räume im Hort sehen nicht aus wie Klassenzimmer ...

Fürst: Nein, und es wäre unnatürlich, Kinder am Nachmittag in der Klasse zu belassen. Sie brauchen einen Ortswechsel. Der Raum am Nachmittag sollte familiäre Atmosphäre haben, auch wenn dort die Aufgaben gemacht werden.

STANDARD:  Welchen pädagogischen Angebots bedarf es am Nachmittag?

Fürst:Wie die räumlichen Rahmenbedingungen muss auch das Personal passen. Lehrer, die für reine Wissensvermittlung ausgebildet sind, können das nicht übernehmen. Wir Hortpädagogen müssen in der Steiermark seit Jahren Qualitätskriterien einhalten. Wir haben maximal 20 Kinder pro Gruppe, für die je eine Pädagogin und eine Kinderbetreuerin da sind. Unsere Leute haben in fünfjährigen Ausbildungen gelernt, auf individuelle Neigungen der Kinder einzugehen.

STANDARD:  Was brauchen Kinder am Nachmittag sonst noch?

Fürst: Anders als Schule ist der Hort ein leistungsfreier Raum, wo Druck wegfallen soll. Zudem gibt es außer bei Essenszeiten keine starre Zeiteinteilung. Und: Nur mit Gleichaltrigen zusammen zu sein ist unnatürlich. Altersgemischte Gruppen sind wie Integrationsgruppen eine Herausforderung, aber die beste soziale Lernsituation, von der alle profitieren. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe 28./29.März 2009)

Zur Person

Die Pädagogin Ursula Fürst (51) leitet einen Schülerhort in Graz

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