Die große Enttäuschung

27. März 2009, 19:20
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Es war eine Woche der großen Enthüllungen. Erst "profil": Helmut Zilk, Spion. Darauf Dagmar Koller: Zilk doch kein Spion. Dann H.-C. Strache - ein Bumsti. Und "Österreich" machte das Maß voll: Demis Po im Web. Derselbe schien Fellners Familienbeilage "Life & Style" wert, nicht nur auf dem Cover abgebildet zu werden, sondern eingekleidet in eine Story aus dem trauten Heim der Kutchers gleich auch noch einmal auf Seite 2. Schauspieler Ashton Kutcher beobachtet seine Frau Demi Moore beim Bügeln und postet auf der Plattform auch gleich den Link zum Allerwertesten-Bild seiner Frau. Damit es nur ja kein Leser übersehen konnte, bahnte sich von dem rot unterlegten Schriftbalken Das ist Demis Po ab dem Wort Po ein Pfeil direkt in den Bikini-umflorten Steiß der Büglerin. Wenn die Fellners damit nur keine Lawine österreichischer Männer losgetreten haben, die ihre Frauen beim Bügeln beobachten und ihr Getwitter im Sinne der Leser-Blatt-Bindung gleich prominent veröffentlicht sehen wollen!

Freundschaften sind diese Woche zerbrochen wie alte Brezeln. Der Kampf der Witwe kostet eben seine Opfer. Ich habe sofort den Christian Rainer angerufen, was "Österreich" zu der naheliegenden Frage veranlasste: Wie haben Sie sich gefühlt? Na, wie schon! Fürchterlich. Ich habe getobt. Und dessen Chefredakteur Herbert Lackner? Es war sehr geschmacklos, was er im Beisein der Witwe von sich gegeben hat. Wäre er ein Sir, hätte er sich bei mir entschuldigt. Es gibt doch immer wieder Kollegen, die nicht einsehen wollen, dass sich historische Fakten nach dem Geschmack der Witwe des Helden zu richten haben.

Andere hat das Apage Satanas der Witwe noch schwerer ins Kreuz getroffen. Gerd Bacher - die Freundschaft mit ihm zerbrochen für immer. Das ist die größte Enttäuschung meines Lebens. Es war grauenhaft. Wenn es nicht der Gerd Bacher wäre, der so alt ist, dann hätte ich ihm eine Ohrfeige gegeben. Aber ich habe von meiner Mutter eine gute Erziehung mitbekommen. Nur dieses pädagogische Manko hat Peter Pelinka um den Triumph gebracht, endlich einmal Stimmung in einer ORF-Diskussion zu generieren. Witwe des Bürgermeisters ohrfeigt Ex-Chef ihres Mannes mit der Begründung: Er hat nichts zur Verteidigung gesagt. Nicht einmal nach der Sendung! Bacher ist sofort gegangen. Er hat gespürt, dass er mich tief getroffen hat. Oder dass er noch getroffen werden könnte.

Na und dann erst dieser Busek! So nett, wie mein Mann immer über diesen Busek geredet hat! Mit Seidenhandschuhen hat er ihn angegriffen, und der war immer böse zu ihm, und wir haben dazu geschwiegen, brach Frau Koller ihr langes Schweigen in "News". Der hat immer an den Spion Zilk geglaubt und hält ihn nicht des kleinsten Stücks vom Ring für würdig. Dabei geht es nicht um die Ringstraße, sondern um den Albertinaplatz, wo keine Hausschilder umzubenennen wären. Man will ja keine Umständ' machen. Da werden mir die Öffentlichkeit und auch Bürgermeister Michael Häupl sicher helfen. Helmut hat es verdient, dass etwas im ersten Bezirk nach ihm benannt wird. An die Alternative dazu sollte man gar nicht erst denken. Oder: Wollen sie ihn jetzt auch aus dem Ehrengrab wieder rausholen?

Eine grause Vorstellung. Nur die Vorstellung des FPÖ-Führers, die Claudia Reiterer und Nina Horaczek auf sich genommen haben, erweist sich als noch morbider, wenn es wirklich die Top-Passagen sind, die "Österreich" daraus abdruckte. Man sollte Kinder nicht Bumsti nennen, nach dem gleichnamigen Zwerg, so etwas richtet in der kindlichen Seele Schäden an, die spätere Kompensation durch Wehrsport herausfordern. Wie auch Knoblauch, wenn ihn Bumsti in seinem Bezirk riechen muss: "Dass dort neue Leute zuziehen, dass da auch, wenn man so will, jetzt vermehrt Knoblauchgerüche der Fall sind."

Aber Knoblauch ist nicht alles, was der Fall ist. Irgendwie kommt dann Küssel dazu - schon wieder ein schwerer Schlag, wie Strache bekennt. Ich habe am Anfang, am Anfang sozusagen bin ich dort mitgefahren, also nicht mitgefahren, das war ja sozusagen eine Extrageschichte, wo man hingefahren ist. Und dann dort sozusagen im Zuge dieses ganzen Treibens war mir klar, das sind Leute, das ist ein Wahnsinn. Das ist für mich sozusagen der Bereich, wo ich überhaupt nicht mitkann.

Höchste Zeit, dass diese Bekenntnisse eines Antifaschisten in eine Biografie gegossen wurden. Nur der Titel "Sein Aufstieg. Seine Hintermänner. Seine Feinde" erscheint etwas umständlich. "Mein Kampf gegen den Knoblauch" hätte mehr Pfiff gehabt. (Günter Traxler/DER STANDARD, Printausgabe, 28.3.2009)

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