"Ich bin keiner, der nachher rundum schlägt"

27. März 2009, 18:51
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Othmar Karas über seine Enttäuschung

STANDARD: Wie geht es Ihnen?

Karas: Ich bin kein kalter Politiker. Ich habe meine Emotionen. Ich weiß schon, dass Enttäuschung keine politische Kategorie ist. Das ist ja auch der Grund, warum ich an Bord geblieben bin und den zweiten Listenplatz angenommen habe. Aber es ist eine menschliche und emotionale Kategorie.

STANDARD:Haben Sie überlegt, die Sache hinzuwerfen?

Karas: Das war schon ein Thema. Aber ich habe so viele Kontakte mit Bürgern gehabt, die mir vertrauen. Die möchte ich nicht im Stich lassen. Daher war für mich nach kurzen Überlegungen klar, dass ich das Angebot, an zweiter Stelle zu kandidieren, annehme.

STANDARD: Fühlen Sie sich von der Parteispitze im Stich gelassen?

Karas: Ich habe das nicht erwartet. Aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich der Parteiobmann den Spitzenkandidaten selbst aussuchen kann. Er hat diese Entscheidung getroffen, die muss ich respektieren. Und ich bin keiner, der nachher rundum schlägt. Ich habe meine Rückschlüsse gezogen. Aber auch der Benjamin Raich hat in der letzten Saison sein Bestes gegeben und hat nicht bei jedem Rennen gewonnen. Und er ist trotzdem weitergefahren. Ich gebe auch in Zukunft mein Bestes. Ich mache gerne Politik.

STANDARD: Überlassen Sie Strasser auch die Delegationsleitung?

Karas: Das habe ich selbst vorgeschlagen. Ich halte von einer Zwei-Firmen-Theorie nichts. Für mich ist das keine Kampffrage. So wie Österreich ein Teil der Union ist, bin ich ein Teil in der Delegation. Für die Delegationsleitung werde ich nicht antreten. Ich bin erster Vizepräsident der Fraktion, und für diese Parlamentsfunktion werde ich wieder kandidieren.

STANDARD: Geht Charisma in der Politik über Fachwissen?

Karas: Ich glaube, dass ich beides habe. Es war eine Entscheidung zweier unterschiedlicher politischer Stile. Beide haben in der ÖVP Platz. Mit Ernst Strasser arbeite ich seit 17 Jahren zusammen. Ich kann gut mit ihm. (Karin Moser/DER STANDARD-Printausgabe, 28./29. März 2009)

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