Die neue Politik der Kreditvergabe des IWF

27. März 2009, 18:35
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Der IWF kann zur Linderung der hohen wirtschaftlichen und sozialen Kosten beitragen, die oftmals mit Krisen einhergehen

Für Schwellenmärkte und Entwicklungsländer in finanziellen Nöten sollte der Internationale Währungsfonds wichtige Anlaufstelle sein. Aufgrund seiner Fähigkeit, beträchtliche Ressourcen zu mobilisieren und die politische Glaubwürdigkeit zu stärken, kann der IWF zur Linderung der hohen wirtschaftlichen und sozialen Kosten beitragen, die oftmals mit Krisen einhergehen.

Vor diesem Hintergrund haben sich Vertreter aus aller Welt zusammengefunden, um das Rahmenwerk der IWF-Kreditvergabe radikal zu überarbeiten. Die Welt braucht den IWF jetzt und in Zukunft. In erster Linie sollten unsere Finanzierungspakete in Relation zum Ausmaß des zu lösenden Problems groß genug sein. Darüber hinaus stellt die Inexistenz einer IWF-Versicherungsfazilität zu annehmbaren Bedingungen eine große Lücke in der globalen Finanzarchitektur dar, vor allem für die dynamischeren Ökonomien der Schwellenländer.

Obwohl es auch weiterhin von entscheidender Bedeutung sein wird, IWF-Programme an politische Bedingungen zu knüpfen, sollten diese jedoch direkt auf die Lösung der einschneidenden Probleme des Landes abzielen. Die Bedingungen sollen keine ungebetene Einmischung sein. Mit Unterstützung unserer Mitglieder setzen wir nun bedeutsame Reformen unserer Kreditvergaberichtlinien um. Dies soll Länder ermutigen, sich beizeiten an den IWF wenden, bevor die Krise nämlich zu tief und beinahe unlösbar wird.

Die Reformen umfassen drei Kernelemente: Erstens werden die politischen Bedingungen im Zusammenhang mit der zukünftigen Kreditvergabe besser an die landesspezifischen Umstände angepasst. Durch eine flexible Kreditlinie werden Finanzmittel - schon vor einer Krise - verfügbar, ohne dass damit nachträglich Konditionalitäten für Länder mit starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten und guten politischen Rahmenbedingungen verbunden wären.

Zweitens wird die alther-gebrachte Kreditfazilität des Fonds, nämlich die Bereitschaftskreditvereinbarungen, für jene Länder, die für das neue Instrument nicht infrage kommen, flexibler gestaltet. Dazu gehört die Möglichkeit des Zugangs zu Mitteln, bevor sich die Krise einstellt.

Drittens wird der Umfang der Gelder substanziell aufgestockt. Die Zugangsbeschränkungen zu den Ressourcen werden doppelt so hoch angesetzt. Das ist von allerhöchster Bedeutung, da wenig so fatal für die Glaubwürdigkeit ist wie eine nicht ausreichende Finanzierung.

Insgesamt wendet man sich mit diesen Schritten jenen Kernproblemen zu, die die Wirksamkeit des Fonds als Kreditgeber in Krisenzeiten manchmal schwächten: dem in der Vergangenheit mit den Konditionalitäten des IWF verbundenem Stigma ebenso wie der Verfügbarkeit frühzeitiger Finanzierungsmöglichkeiten vor einer Krise und der Gesamtgröße der Rettungspakete. Schwellenmärkte, die sich frühzeitig an den IWF wenden, werden Schutz vor den Stürmen des globalen Schuldenabbaus finden.

Der IWF hat bereits vielen seiner Mitglieder in dieser Zeit der Krise rasch geholfen. Dazu zählte auch die Sicherung von Sozialausgaben, um die Auswirkungen der Krise auf die Ärmsten abzumildern. Die in dieser Woche angenommene Reform der Kreditvergabe ermöglicht uns eine noch flexiblere und raschere Reaktion, wenn es darum geht, noch mehr Ländern beizustehen. Noch in Vorbereitung ist eine Initiative zur Anhebung der Vergabe konzessionärer Kredite an Länder mit niedrigem Einkommen sowie Initiativen zur Stärkung der Kontroll- und Frühwarnfunktion des IWF und zur Verbesserung seiner Führungsstrukturen, soweit es die Anerkennung der stärkeren Rolle der Schwellenländer in der Weltwirtschaft betrifft. (Dominique Strauss-Kahn, DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.3.2009)

Zur Person

Dominique Strauss-Kahn ist Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). © Project Syndicate, 2009. Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier.

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