Das Zittern unseres Trabanten

27. März 2009, 18:13
99 Postings

Der Mond wird häufig von heftigen Beben erschüttert - und zwar nicht ausschließlich auf der Vorderseite

Kiel - Mondfahrer haben stets gründliche Vorkehrungen getroffen, um ihren Ausflug unversehrt zu überstehen. An Schutzkleidung haben sie gedacht, an Sauerstoff, Proviant und Energiereserven. Nur für den Fall, dass der Mondboden beben könnte, gab es nie Vorkehrungen. Der Mond galt als frei von starken Erschütterungen.

Schwächere Bewegungen hielten die ersten Mondfahrer dennoch für möglich - und nützlich, um über den inneren Aufbau des Mondes Aufschluss zu erlangen. Deshalb brachten die Apollo-Missionen von 1969 bis 1972 fünf Bebensensoren auf den Mond. Vier davon sendeten bis 1977 jedes Ruckeln zur Erde. Das Erstaunen war groß, als die Anzeigen der Messgeräte bis auf Stärke fünf ausschlugen - es gab sie also doch: Mondbeben.

Die Beben waren jedoch rätselhaft. Sie schienen ausschließlich auf der Vorderseite des Mondes aufzutreten. Auf der erdabgewandten Seite registrierten die Sensoren hingegen keine Erschütterungen. War diese Ungleichmäßigkeit der Platzierung der Messgeräte geschuldet? Die Apparate standen nur auf der erdzugewandten Seite, sodass ihnen entfernte Beben entgangen sein könnten.

Eine Geophysikerin hat die Bebendaten nun mit neuen Methoden überprüft. Wahrscheinlich bebt auch die Rückseite des Mondes, berichtete Stefanie Hempel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR nun auf der Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft in Kiel: "Die Hälfte aller Beben könnte sich auf der Mondrückseite ereignet haben." Ihre Ergebnisse könnten bei der Planung kommender Mondmissionen helfen. In vier Jahren soll eine internationale Mission wieder Bebensensoren auf den Mond bringen, um das Innere des Trabanten zu erforschen.

Die Mehrzahl dieser Erschütterungen würde wohl von Gezeiten ausgelöst, berichtet Peter Janle, Planetenforscher an der Universität Kiel. Die meisten Mondbeben haben sich stets dann ereignet, wenn der Mond der Erde am nächsten stand. Wie der Mond auf der Erde in den Ozeanen Ebbe und Flut erzeugt, dehnt umgekehrt auch die Schwerkraft der Erde den Mond.

Anscheinend fungiere die teilweise flüssige Zone im Mondinneren wie ein Gummischarnier, so Janle. Die fragile Region sei besonders beweglich, sie dehne sich im Zug der Gezeiten. In umliegenden Tiefen baue sich Spannung auf. "Bricht das Gestein, bebt es auf dem Mond", so Janle. (Axel Bojanowski/DER STANDARD, Printausgabe, 28./29. 3. 2009)

Share if you care.