Die Staatsoper als Volksoper

27. März 2009, 17:55
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Wiederaufnahme von Leoš Janáèeks "Jenufa"

Wien - Als exquisite Volksoper erwies sich die Wiener Staatsoper anlässlich der Wiederaufnahme von Leoš Janáèeks "Jenufa" am vergangenen Donnerstag gleich in mehrfacher Hinsicht. Schon das Werk selbst ist eine Volksoper. Die dem mährischen Bauernleben entnommene Story - Jenufas Stiefmutter, die Küsterin, tötet aus Angst vor der Schande deren neugeborenes uneheliches Kind - ist anachronistisch genug, um heutige Betrachter unbeteiligt zu lassen.

Da diese Wiederaufnahme jedoch der Premiere vor sieben Jahren an atmosphärischer Dichte in nichts nachstand, wurde das Publikum von der musikalischen und darstellerischen Intensität der Protagonisten nach und nach so sehr gefangen genommen, dass es am Schluss in Jubel ausbrach.

Frische Inszenierung

Dies war vor allem das Verdienst von Ricarda Merbeth, die die Titelpartie mit diskret leuchtender lyrischer Eindringlichkeit gestaltete; und von Agnes Baltsa als szenisch dominante, despotische Küsterin. Jorma Silvasti als Bräutigam Laca, der trotz aller Fährnisse zu Jenufa steht, vermochte mit seinem festen Tenor auch dem - unter Graeme Jenkins nicht sonderlich präzise spielenden - Staatsopernorchester gegenzuhalten. Marian Talaba als ungetreuer Stewa gelang das nur ansatzweise. Vor allem zu Beginn klang das Orchester auch rhythmisch atrophisch und in der Dynamik unausgeglichen.

Optisch allerdings vermochte diese erstaunlich frisch wirkende Inszenierung von David Pountney mit ihrem von Robert Israel gestalteten Mühlradwerk für sich einzunehmen. Weshalb sich die Staatsoper aber noch als Volksoper erwies, war der Umstand, dass der Text auf Deutsch gesungen wurde. An sich müsste man besonders im Fall von Leoš Janáèeks Opern, deren Musik größtenteils der Sprachmelodie abgehorcht ist, die Originalsprache einmahnen.

Doch wenn mit solcher Wortdeutlichkeit gesungen wird wie in dieser Aufführung, kann eine Übersetzung das Erlebnis musikdramatischer Aktionen schon erheblich intensivieren - und zwar nicht nur, wenn sie, wie in diesem Fall, von Max Brod stammt. (Peter Vujica, DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.03.2009)

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