Behandlungsfahrplan für Patienten

29. März 2009, 18:47
posten

Die Schwere der Erkrankung und das Ansprechen auf diverse Therapien entscheiden über Behandlungsstrategie

Rheumatoide Arthritis ist keine tödliche Erkrankung, das ist allerdings nur ein schwacher Trost für all jene, die mit der Diagnose Rheumatoide Arthritis (RA) konfrontiert sind. Die große Hoffnung aller Betroffenen ist: den Krankheitsverlauf stoppen zu können, um massive Bewegungsbeeinträchtigungen aufhalten zu können. Dafür hält die Medizin Waffen bereit, die nach einem genau definierten Schema eingesetzt werden.

Die größte Hürde dabei ist eine rechtzeitige Diagnostik. Die Schwere hängt unter anderem von der Anzahl der betroffenen Gelenke ab. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Cortison werden stets am Beginn der Behandlung verabreicht.

Nächster Schritt: eine Behandlung nach dem DMARD-Schema (disease-modifying anti-rheumatic drugs), zu dem Goldsalze, Sulfasalazin, Chloroquinin, aber auch Methotrexat oder Luflunomid zählen. 70 Prozent aller Patienten sprechen gut darauf an. "Wir kennen Methotrexat seit 30 Jahren und wissen, dass es ein sicheres Medikament ist", sagt Manfred Herold, Leiter der Rheuma-Ambulanz an der Med-Uni Innsbruck. Für ihn wie für all seine Kollegen kommt der Einsatz von Biologika immer erst dann in Betracht, wenn die erste Therapieschiene versagt hat; das ist bei 30 Prozent aller Betroffenen der Fall.

Biologika greifen direkt in einzelne Schaltstellen des Immunsystems ein und wirken dadurch anders als die Basistherapie, die den Hauptstrom lahmlegt. Als "Goldstandard" in der Therapie schwerer RA-Formen gilt eine Kombination aus Methotrexat und TNF-alpha-Blockern, von denen drei verschiedene Präparate derzeit am Markt sind. "Sie unterscheiden sich nur in ihren Verabreichungsformen", erklärt Herold.

Neuer Angriffspunkt

Zudem entscheidet die Lebenssituation über die Medikamentenwahl, bei RA-Patientinnen, die schwanger werden wollen, verzichtet man auf Methotrexat. Ganz grundsätzlich gilt für die Biologika-Therapie: "Infekte müssen schneller und gründlicher untersucht werden, auch Antibiotika müssen entsprechend anders ausgewählt werden", betont Herold.

Bei zehn Prozent aller Patienten wirkt dann auch diese Therapie nicht. Für sie wird das neue Medikament Tocilizumab (RoActemra) eine Option sein. Zwar ist IL-6 lange bekannt, doch gelang es erst dem japanischen Forscherteam um Norihiro Nishimoto, einen Antikörper gegen IL-6 zu entwickeln. Der Chugai-Konzern, für den er arbeitet, gehört mittlerweile zu 59,8 Prozent zu Roche, die das Medikament RoActemra marktreif gemacht hat.

Als neues Biologikum muss es sich gegen die etablierten Biologika-Therapien beweisen. Bisherige Studien klingen positiv. So konnte gezeigt werden, dass die Gelenkzerstörung mit dem neuen Wirkstoff effektiver gebremst werden kann. Zugelassen ist RoActemra für eine Kombination mit Methotrexat, als Monotherapie bei Methotrexat-Unverträglichkeit. (pok, DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2009)

 

Share if you care.