Afghanische und pakistanische Taliban wollen gemeinsam kämpfen

28. März 2009, 10:14
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"New York Times": Kommandanten planen Intensivierung der Angriffe - Pakistans Geheimdienst weiter mit Taliban-Verbindungen

Washington - Die Taliban in Afghanistan und in Pakistan haben einem Bericht der New York Times zufolge erstmals eine gemeinsame Offensive gegen die US-Truppen verabredet. Taliban-Führer auf beiden Seiten der Grenze hätten beschlossen, ihre Differenzen beizulegen und dem gemeinsamen Feind "ein sehr blutiges Jahr" zu bereiten, berichtete die Zeitung am Freitag. Sie berief sich auf Gespräche mit Taliban in Afghanistan und Pakistan sowie pakistanische Behördenvertreter, die nicht näher benannt wurden.

Eine Reihe von jüngeren, neuen Kommandanten der Taliban planten eine Intensivierung der Angriffe auf die Amerikaner und auch verstärkt Selbstmordanschläge. Das Bündnis ist der Zeitung nach zustande gekommen, nachdem der öffentlichkeitsscheue Taliban-Führer in Afghanistan, Mullah Omar, die Initiative ergriffen habe und auf pakistanische Gruppen zugegangen sei.

Mehr US-Truppen

US-Präsident Barack Obama will den Kampf gegen den Al-Kaida und Taliban in Afghanistan weiter verstärken. Zusätzlich zu der bereits angekündigten Aufstockung der US-Truppen um 17.000 Soldaten sollen nach Informationen aus dem Weißen Haus weitere 4.000 Mann nach Afghanistan entsandt werden. Im Februar hatte Obama bereits die Ausweitung des Truppenkontingents in Afghanistan auf insgesamt mehr als 50.000 Mann angeordnet.

   Die zusätzlichen 4.000 Soldaten sollen ab Herbst als Ausbilder und Berater der afghanischen Streitkräfte eingesetzt werden. Außerdem sollen die monatlichen Ausgaben für den Einsatz in Afghanistan von derzeit rund zwei Milliarden Dollar (1,47 Mrd. Euro) über das Jahr um etwa 60 Prozent steigen.

Auch Großbritannien will die Truppen in Afghanistan verstärken. Der britische Armeechef sagte der Zeitung "The Times" (Freitag-Ausgabe), die Regierung könnte die Truppen von jetzt 8.300 auf bis zu 12.000 Mann erhöhen. Nach Informationen des Blattes dürften weitere 2.000 britische Soldaten nach Afghanistan geschickt werden.

Petraeus und Mullen fordern Ende der ISI-Aktivitäten

Ranghohe US-Militärs haben unterdessen dem pakistanischen Geheimdienst ISI vorgeworfen, weiter die Taliban und Al-Kaida zu unterstützen. Admiral Mike Mullen vom Generalstab und General David Patraeus vom Central Command verlangten am Freitag in getrennten Fernsehauftritten ein sofortiges Ende der Aktivitäten.

Verbindungen aus dem 80er Jahren

Petraeus wies in einem Gespräch mit PBS darauf hin, dass in den 80er Jahren der ISI Gruppen in Afghanistan aufgebaut habe, um die Sowjets zu bekämpfen. Dies sei zum Teil mit US-Geldern geschehen. "Diese Verbindungen waren sehr stark und unzweifelhaft gibt sie zum Teil bis heute", sagte er. Mullen forderte in einem CNN-Interview einen "grundsätzlichen strategischen Wandel" der ISI.

Pakistan ist einer der wichtigsten US-Verbündeten im Kampf gegen radikale Islamisten in der Region. Die amerikanische Regierung hält sich deswegen üblicherweise mit Bemerkungen über mutmaßliche Verbindungen von Teilen der ISI und radikalen Islamisten zurück. (APA/red)

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+ The New York Times: Pakistan and Afghan Taliban Close Ranks

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