Linz: Diskussion zur "Kulturhauptstadt des Führers" soll weitergetragen werden

27. März 2009, 16:09
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Knapp 60.000 Menschen haben die umstrittene Linz09-Schau besucht

Linz - Fast 60.000 Besucher wurden bei der umstrittenen Linz09-Schau "Kulturhauptstadt des Führers" gezählt, die am Sonntag im Schlossmuseum ihre Pforten schließt. Nach zum Teil heftiger medialer Kritik an der Ausstellung ging Oberösterreichs Kulturreferent Landeshauptmann Josef Pühringer am Freitag in einer Pressekonferenz in die Gegenoffensive: Die involvierten Wissenschafter hätten redliche Arbeit geleistet, niemand der Verantwortlichen beabsichtige, "Linz den Makel einer ewigen Nazi-Stadt umzuhängen".

In der Ausstellung wird auf den kulturpolitisch-zeitgeschichtlichen Hintergrund und das konkrete künstlerische Leben im Dritten Reich eingegangen. Die Schau erinnert u.a. daran, dass nach Adolf Hitlers Vorstellungen Linz zu einer Kulturmetropole werden sollte. Pühringer machte darauf aufmerksam, dass der Titel der Ausstellung bereits Monate vor der Eröffnung bekanntgewesen sei, Kritiker hätten sich bereits damals einbringen können. Er sei überzeugt, dass "die Mehrheit, die uns kritisiert, das mit Absicht macht und die Ausstellung nicht gesehen hat", so der Landeshauptmann in Richtung ausländischer Medien. Hätte man sich an dem Thema vorbeigeschlichen, wäre die Aufregung eine viel größere gewesen.

Viel Emotionalität

Dass die dunkle Vergangenheit ein Thema sei, zeige laut Pühringer die Besucherzahl: Bis 27. März, 12 Uhr, wurden 57.728 Personen in der Ausstellung gezählt. Da sie stark auf die lokale Geschichte eingehe, spiele viel Emotionalität mit, erklärte Kuratorin Birgit Kirchmayr. Mehrere Besucher hätten sich in der Schau wiedergefunden. So habe beispielsweise eine alte Frau erklärt, dass sie das kleine Mädchen auf dem Ausstellungsplakat sei.

Einschlägige rechte Gruppierungen hätten die Präsentation im Schlossmuseum "sehr schnell wieder verlassen", da sie in keiner Weise ihren Vorstellungen entsprochen habe, berichtete der Direktor der Landesmuseen, Peter Assmann. Die Medienresonanz sei weitgehend positiv, "sehr sachlich und sehr präzise" und mit rund 150 Berichten außerordentlich groß gewesen. Assmann: "Ich habe noch nie für die BBC ein Interview über eine Ausstellung auf Englisch gegeben." Die kritisierende Presse habe zum Teil schlecht recherchiert, so sei in einer britischen Tageszeitung von "Linz am Rhein" die Rede gewesen.

Diskussion weitertragen

Linz09-Intendant Martin Heller sieht in der Schau einen Erfolg. Es sei eine Diskussion eröffnet worden, "hinter die man nicht mehr zurück kann". Die Chance, die sich durch die Prominenz des Kulturhauptstadtjahres geboten habe, habe man genutzt. "Linz hat auf eine gewisse Art in den Spiegel geblickt", sagte Heller. Nun gelte es, die Auseinandersetzung auf eine möglichst vielfältige Weise weiterzutragen.

Im neuen Südflügel des Schlossmuseums, der von 3. bis 5. Juli 2009 feierlich eröffnet wird, werde es ab Herbst kommenden Jahres einen eigenen Schwerpunkt zu dem Thema geben, kündigte Assmann an. (APA)

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