Eizellen auf Wanderschaft

27. März 2009, 17:33
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Die Wiener Kommissarin Maria Kouba kann sich partout nicht erinnern, was Stunden vor ihrem Zusammenprall mit einer Straßenbahn passierte...

Höchstwahrscheinlich eine Auseinandersetzung mit ihrem Untergebenen und Lover Phillip. Zur persönlichen Verwirrung kommt dann noch ein Mordfall. Ein Pfleger, der in der Villa einer Alzheimer-Kranken angestellt war, wird mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Die Nachbarn tratschen etwas von häufigen Frauenbesuchen. Der Tote hat eine seltsame Karriere hinter sich. Offenbar war er ein prominenter Spezialist der Reproduktionsmedizin. Warum er als Pfleger untergetaucht ist, scheint rätselhaft. Während die Kommissarin sich mit komplizierten Theorien herumschlägt, dämmert ihr, wie knapp sie mit dem Leben davongekommen ist, und sie nimmt sich vor, dieses Leben auszukosten.

Das endet erst einmal in einer etwas spekulativ beschriebenen, erfreulich moralfreien Sexorgie. Dann treten bizarre Fundamentalisten auf, die sich um überzählige Eizellen kümmern. Sabina Nabers Heldin wird brutal mit Theorie und Praxis der modernen Medizin konfrontiert. Natürlich findet sie Schönheitschirurgie entbehrlich und das Klonen von Menschen verwerflich, aber als Marias beste Freundin stirbt, kommt ihr Klonen doch nicht mehr so abwegig vor. Das streift an Science-Fiction und ist ein wenig überfrachtet. Doch Humor und die trügerische Gemütlichkeit des Wiener Dialekts machen das Buch der Wiener Autorin originell und lesbar. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 28./29.03.2009)

 

Sabina Naber, "Die Lebenstrinker". € 20,50 / 317 Seiten. Rotbuch Krimi, Berlin 2009

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