Banken und Versicherungen gefragt

27. März 2009, 15:29
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Eine sehr positive Handelswoche an den europäischen Börsen liegt hinter uns. Die guten Vorgaben aus den USA unterstützten die Märkte und der STOXX verzeichnete einen Anstieg von +4,2%. Besonders gefragt waren Versicherungen (+7%) und Banken (+7%). 16 der 19 Sektoren verzeichneten Zuwächse und nur Technologieaktien, der Hotelsektor und Rohstoffproduzenten schlossen marginal im Minus (-0,2 bis -0,3%). Hervorzuheben sind sicherlich die Kurzsprünge an den Börsen in Warschau (+9%) und Prag (+9%).

Der Dax profitierte von den haussierenden Commerzbank und VW- Aktien und verzeichnete ein Plus von 5%. Die steigenden Kurse führten auch dazu dass der VDax mit 36 Punkten auf das niedrigste Niveau seit Anfang Februar sank. Der Baltic Dry Index gab leicht nach (-4,5%) und das Barrel Brent verteuerte sich auf USD 52 (+4%).

Der Ifo-Index gab diesen Monat wie erwartet von 82,6 Punkten im Vormonat auf 82,1 Punkte nach. Dabei wurde vor allem die aktuelle Geschäftslage von den Unternehmen nochmals schlechter beurteilt. Hier sank der Index von 84,3 Punkten im Vormonat auf 82,7 Zähler. Die Erwartungen für die kommenden Monate fielen hingegen erneut etwas besser aus. Hier lag das Stimmungsbarometer bei 81,6 Punkten nach 80,9 Punkten im Februar. Von einer merklichen Besserung der wirtschaftlichen Lage gehen die Unternehmen aber nicht aus, betonte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Firmen sind lediglich etwas weniger pessimistisch.Dies ist ja schon positiv zu werten wenn man die Auftragseingänge der Eurozone betrachtet. Diese sind im Jänner im Jahresvergleich um 34% (Konsens: -28%) eingebrochen. Zum Vormonat konnte jedoch ein Rückgang des Abwärtstrends verzeichnet werden (-3,4%, Konsens: -6,5%).

Erstes Quartal in Deutschland "dramatisch schlecht“

Die Rezession in Deutschland könnte sich drastisch verschärfen. Die deutsche Bundesregierung erwartet 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,5 %, womöglich sogar um fünf Prozent. Die Folge wären gigantische Steuerausfälle - und mehr als vier Millionen Arbeitslose. Die Zahlen im ersten Quartal seien "so dramatisch schlecht", dass das Minus im Gesamtjahr schon rein rechnerisch kaum noch unter vier Prozent liegen könne. Die Commerzbank geht derweil in einer neuen Studie von einem Minus zwischen 6 und 7% aus.

Die EZB hat erneut eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt. „Unser Leitzins ist noch nicht auf dem niedrigsten Niveau, er könnte weiter sinken", sagte Trichet am Montag. Hochtief hat trotz der aktuellen Finanzkrise im Geschäftsjahr 2008 sowohl bei Umsatz als auch beim Konzernergebnis neue Bestmarken erzielt. Die Dividende soll auf EUR 1,40 (Vorjahr: EUR 1,30) gesteigert werden. Der Umsatz ist um 16,1% auf EUR 19,10 Mrd. geklettert, und der Konzerngewinn erhöhte sich um knapp ein Viertel auf EUR 175,1 Mio. Mit seinen Zahlen übertraf Hochtief die Analystenschätzungen.

Nicht so rosig lief das vergangene Jahr für Metro. Zum Vorjahr sank der Konzerngewinn nach Anteilen Dritter auf EUR 403 Mio. (-51%). Belastet wurde der Konzern von den Kosten für die Sanierung der Supermarkttochter Real und Abschreibungen auf die inzwischen abgegebenen Adler-Modemärkte. Zudem hinterließ die weltweite Wirtschaftskrise ihre Spuren. Der Umsatz konnte um 5,8% auf EUR 68 Mrd. gesteigert werden. Den Aktionären will der Konzern eine stabile Dividende von EUR 1,18 je Stammaktie und EUR 1,298 für die Vorzüge zahlen. Für das laufende Jahr erwartet Metro ein deutlich schwächeres Wachstum als 2008.

Solarworld will auch in Krisenzeiten wachsen. Eine Gewinnprognose für das laufende Jahr blieb der Konzern aber schuldig. Der Start ins neue Jahr verlief für Solarworld offenbar gut. Im ersten Quartal lag der Umsatz über dem Vorjahreswert von EUR 167,5 Mio. Beim Jahresergebnis wird entscheidend sein, in welchem Maße der Preisrückgang von etwa 10% durch Einsparungen bei den Kosten aufgefangen werden kann. Große Hoffnungen setzt Solarworld - wie die gesamte Branche - in  Nordamerika, wo erneuerbare Energien künftig besonders gefördert werden sollen. Solarworld ist in Amerika bereits mit zwei Werken vertreten und wird 2009 etwa 12- 15% des Konzernumsatzes in den USA erzielen. 2008 hatte der Konzern unter dem Strich EUR 150 Mio. verdient, rund ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Die Aktionäre sollen mit einer Dividende von EUR 0,15 einen Cent
mehr bekommen als 2007.

Die deutsche Bundesregierung verlängerte diese Woche die Abwrackprämie für Altautos. Dies stößt nicht von allen Seiten auf Gegenliebe. Daimler- Chef Zetsche hatte sich zuvor gegen eine Verlängerung der Abwrackprämie ausgesprochen und das laufende Jahr als "Darwin Jahr" für die Automobilindustrie bezeichnet. Porsche konnte sich derweil einen Kredit über EUR 10 Mrd. sichern. Dieses Geld dürfte zur weiteren Aufstockung der VW- Anteile verwendet werden. Derzeit gehören Porsche 50,76% der VW-Stammaktien. Porsche möchte noch in diesem Jahr einen Anteil von 75% erreichen. 

Absatz in Osteuropa bricht stark ein

Volvo bekommt die Absatzkrise auf dem Markt für Nutzfahrzeuge immer stärker zu spüren. Der Absatz brach im Februar um 51% ein. In Europa, Volvos wichtigstem Markt, sei der Absatz im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 63% eingebrochen. Besonders stark seien die Verkäufe
in Osteuropa zurückgegangen, wo der Absatz von Volvo um 92% auf 240 Fahrzeuge abstürzte. In Nordamerika habe das Minus 6% betragen und in Asien 47 %. Diese Zahlen lagen in etwa auf dem Niveau vom Jänner und wurden so vom Konsens erwartet. Der Markt hatte die Zahlen bereits antizipiert und die Volvo-Aktie notierte diese Woche fast unverändert.

Schlechte Nachrichten kamen diese Woche von Alstom. Der Konzern meldete, dass Kunden der Kraftwerkssparte Aufträge verschieben da sie auf noch niedrigere Preise hoffen. Auch für Siemens hat sich das Umfeld seit Januar noch einmal erheblich verschlechtert. Konzernchef Peter Löscher hat in einem Interview Zweifel daran geweckt, dass das Unternehmen die anvisierte Steigerung auf EUR 8,0 bis 8,5 Mrd. Gewinn im Kerngeschäft auch erreichen wird.Die Kurzarbeit wird derweil abermals ausgeweitet.

Die Deutsche Bank kann bei einer weiteren Verschlechterung des Finanzmarktes wohl nicht vollständig ausschließen, dass sie die Hilfen des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes in Anspruch nehmen wird. Der Vorstand hat aber darauf hingewiesen, den Rettungsfonds SoF Fin gegenwärtig nicht nutzen zu wollen. Eine weitere Verschlechterung des Marktes oder der Wettbewerbssituation könnte jedoch einen Meinungsumschwung notwendig machen. Die Bank sprach erneut von einem erfreulichen Start in das neue Jahr. Eine Rückkehr in die Gewinnzone nach dem Rekordverlust im vergangenen Jahr hält man für möglich.

Nächste Woche stehen unter anderem Zahlen von Porsche und Fortis auf der Agenda. Weiters werden die Einzelhandelsumsätze in Deutschland, die Arbeitslosenrate in der EU und das Konsumentenvertrauen in der EU veröffentlicht. Am Donnerstag entscheidet die EZB über eine neuerliche Senkung des Leitzinses. Der Konsens erwartet eine Senkung um 50 Basispunkte auf dann 1,0%.

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