Oetker legt Übernahme-Pause ein

27. März 2009, 14:55
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Frankfurt - Dr. Oetker, Marktführer auf dem deutschen Biermarkt, legt eine Denkpause bei seinen Übernahmebestrebungen ein. Das Ziel, den Marktanteil von 15 auf mindestens 20 Prozent zu steigern, bleibe zwar bestehen, sagte der scheidende Chef der Oetker-Biersparte, Ulrich Kallmeyer. Die Oetker-Biersparte wolle aber zunächst die Entwicklung des deutschen Biermarktes sowie weitere Rahmenbedingungen in den nächsten Monaten abwarten. Dazu zählten die Forderungen von Handelskonzernen und Gewerkschaften. "Der Markt wird dann neu sondiert, die einzelnen Optionen werden neu bewertet", schilderte Kallmeyer das Vorgehen.

Das Ziel "20 Prozent plus x" sei für das Jahr 2010 aufgestellt worden und sei nicht an seine Person gebunden. Kallmeyer geht nach neun Jahren an der Spitze der Oetker-Tochter Radeberger Gruppe in der kommenden Woche in den Ruhestand. Unter seiner Regie übernahm Oetker das Dortmunder Getränkeunternehmen Brau und Brunnen. Der rund eine halbe Milliarde Euro teure Zukauf machte Oetker 2004 zur Nummer 1 auf dem deutschen Biermarkt. In den vergangenen Monaten gab es Gerüchte, Oetker wolle das Deutschland-Geschäft des Weltmarktführers ABInBev schlucken, zu dem Beck's gehört. Die Oetker-Biersparte äußert sich dazu nicht. "Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht."

Nach Einschätzung von Kallmeyer werden die Preise, die Verkäufer für Brauereien erzielen können, zurückgehen. Früher sei zur Preisfindung das operative Ergebnis EBITDA eines Unternehmens mit dem Faktor sieben bis zehn multipliziert worden. Das ändere sich. "Es wird eine dramatische Rückbesinnung auf niedrige Multiplikatoren geben", meinte er. "Ob da Käufer und Verkäufer zusammenfinden, ist eine spannende Frage." Der Branchenkenner geht davon aus, dass die Übernahmen auf dem Biermarkt mittelfristig wieder zunehmen werden.

Absatzrückgang

2009 habe für die Branche sehr schlecht begonnen. "Der deutsche Biermarkt hat in den ersten beiden Monaten 11,3 Prozent verloren." Beim zweistelligen Absatzrückgang der Branche im Inland spielten Vorzieh-Effekte im Jänner und Februar 2008 eine Rolle. Damals hätten sich viele Verbraucher und Gastronomen kurz vor Preiserhöhungen mit reichlich Bier eingedeckt. Auch der Fassbierabsatz sei im Jänner und Februar zweistellig gesunken, was besonders schmerze. "In der Gastronomie hat die gesamte Branche ein Problem. Das bedeutet einen ziemlichen Gewinnrückgang." Kallmeyer schätzt, dass der deutsche Biermarkt im Gesamtjahr 2009 um mindestens drei Prozent zurückgehen wird.

Eine Erhöhung der Bierpreise sei für die Radeberger Gruppe - der mehr als 40 Marken gehören - derzeit kein Thema. "Was wir jetzt preislich haben, ist kostendeckend." Es gebe allerdings auch keine Reserven. Kallmeyer verwies auf die Gewerkschaftsforderung nach einer Tariferhöhung von mehr als sechs Prozent in der Braubranche. Hinzu kämen Forderungen von Handelskonzernen nach günstigeren Konditionen. "Sowohl an der Tariffront als auch an der Handelsfront sind wir mit Forderungen konfrontiert, die mit den Rückgängen im Biermarkt nicht zu vereinbaren sind", meinte der Chef der Oetker-Biersparte, zu der unter anderem Radeberger Pilsner, Jever und Schöfferhofer gehören. (APA/dpa)

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