Apple erhöht iTunes-Preise ab 7. April

27. März 2009, 12:43
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Flexiblere Preispolitik soll digitale Umsätze der Labels ankurbeln

Apple wird im US-amerikanischen iTunes Music Store, dem derzeit größten Online-Shop für digitale Musik, ab 7. April eine neue Preispolitik verfolgen. Statt dem bisher üblichen Standardpreis von 99 Cent sollen aktuelle Hit-Singles und ausgewählte Klassiker künftig 1,29 Dollar kosten. Wie die Los Angeles Times unter Berufung auf eingeweihte Industriekreise berichtet, sollen im Zuge einer generell flexibleren Preisstrategie aber auch einige bestimmte Titel günstiger angeboten werden. Eine offizielle Ankündigung zu der neuen Preisstruktur gibt es von Seiten Apples zwar noch nicht, das Unternehmen hätte die kooperierenden Musiklabels aber bereits über den entsprechenden Schritt in Kenntnis gesetzt. Hintergrund des Strategiewechsels sei vor allem der zunehmende Druck aus der Musikindustrie, die sich vom Abschied vom 99-Cent-Standard eine Umsatzsteigerung beim digitalen Musik-Download-Geschäft verspricht. Da die Europa-Preise im iTunes Store in der Regel an das US-Vorbild geknüpft sind, ist auch hierzulande mit einer Erhöhung zu rechnen.

Boomerang

Der Auffassung einiger Branchenexperten zufolge könnte sich die 30-prozentige Preiserhöhung bei iTunes aber auch als Boomerang für die aufgrund einbrechender CD-Verkäufe gebeutelten Labels erweisen. Mit dem Überschreiten der psychologischen Barriere von 99 Cent werde sich nun erstmals herausstellen, ob die Kunden des Internet-Shops auch bereit wären, etwas tiefer für ihre Lieblingsmusik in die eigenen Taschen zu greifen. "Die von der Industrie geforderten Preisänderungen gehen in die völlig falsche Richtung", zitiert die Los Angeles Times Jim Guerinot, Manager bekannter Künstler wie Nine Inch Nails, No Doubt oder The Offspring. Es sei nur schwer zu verstehen, warum man gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen versuche, die Preise in die Höhe zu treiben. Guerinot sei davon überzeugt, dass es aufgrund der gegenwärtigen Rezession eher angebracht wäre, die digitalen Musikfans mit einer Preissenkung zu locken als mit einer Erhöhung zu vergraulen.

"Die Musikbranche ist mittlerweile umgeschwenkt und bietet ein zunehmend größeres Repertoire an Musik DRM-frei im MP3-Format an"

Apple hatte bereits im Januar wissen lassen, dass es über eine Veränderung des Preismodells im iTunes Store auf Basis der Großhandelspreise der Labels nachdenke. Flexiblere Preise waren auch ein Bestandteil der Einigung des Unternehmens mit den drei Majors Universal, Sony BMG und Warner, die auch den Verzicht auf den umstrittenen DRM-Kopierschutz beinhaltete. "Die Musikbranche ist mittlerweile umgeschwenkt und bietet ein zunehmend größeres Repertoire an Musik DRM-frei im MP3-Format an", erklärt Thomas Böhm, Sprecher IFPI Austria, auf Anfrage von pressetext. Die Möglichkeiten Musik legal herunterzuladen würden immer flexibler und vielfältiger. "Die von iTunes angekündigte Preisstaffelung ermöglicht flexible Preise für unterschiedliche Produkte, seien sie DRM-frei oder nicht, seien es aktuelle Veröffentlichungen oder Backkatalog-Produkte. Letztlich treffen die Konsumenten die Entscheidung, welche Angebote sie nutzen", so Böhm abschließend. (pte)

 

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