Wiener Stromnetz braucht eine Generalsanierung

26. März 2009, 21:46
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Verhandlungen der Energieunternehmen mit Stromregulator über Einführung eines "Investitionszuschlages"

Wien - Die neue 380 KV-Kabelanlage in Floridsdorf ist der Stolz der Wienstrom. Fünf Kilometer verläuft diese Hochspannungsleitung unterirdisch vom Umspannwerk Floridsdorf nach Strebersdorf. Zweimal drei Kabel mit integriertem Kühlsystem in dickem Betonmantel - damit sich die Stränge bei einem Kurzschluss nicht aufbäumen können. Dazu als Zugabe: Bei der Unterquerung des Marchfeldkanales mussten die Kabel 20 Meter tief "abtauchen" , um das Grundwasser nicht zu stören. Vor allem aber ist diese 380 KV-Leitung österreichweit die erste mit Kunststoff- statt Öl-Isolierung.

Das 70 Millionen-Projekt war allerdings nur der Auftakt zu einem Investprogramm, das bei der Wienstrom ansteht. "Rund die Hälfte unserer Umspannwerke ist über 40 Jahre alt und muss erneuert werden" , erläutert der für das Stromnetz zuständige Geschäftsführer Reinhard Brehmer.
Das ist aber noch nicht alles: "Der Bedarf dreier neuer Umspannwerke hat uns überrascht", so Brehmer - denn die müssen für die Stadterweiterungsgebiete am Stadtrand, entlang der U2-Verlängerung und neben dem neuen Zentralbahnhof errichtet werden.

Gleichzeitig seien aber seit 1999 im Zuge der Strommarkt-Liberalisierung die Einkünfte aus den Netztarifen um 40 Prozent gesunken - für die Wienstrom ein Minus von 120 Millionen Euro pro Jahr. "Bis jetzt konnten wir noch vom Speck zehren und Leitungsreserven nützen" , so Brehmer. Aber damit sei es vorbei: "Das Invest-Tal muss zu einem Berg werden."

Österreichweit seien bis 2014 "Investitionen von rund einer Milliarde Euro" nötig, um die Netzqualität und -sicherheit aufrecht erhalten und verbessern zu können" , betont Barbara Schmidt, Generalsekretärin vom Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs. Denn auch das "Übertragungsnetz" arbeite "am Rande seiner Kapazität" , warnt Verbund-Vorstandsmitglied Heinz Kaupa.

Derzeit wird mit dem Regulator verhandelt, ob ein Investzuschlag von 1 bis 2 Prozent eingeführt wird. Der Strompreis würde dadurch um 0,3 bis 0,5 Prozent steigen. "Das entspricht im Jahr pro Person einem Krügel Bier", rechnet Brehmer die angepeilte Preiserhöhung ins österreichische Einheitsmaß um. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2009)

  • 380-KV-Leitung - 20 Meter unter dem Marchfeldkanal.
    foto: veö

    380-KV-Leitung - 20 Meter unter dem Marchfeldkanal.

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