sound:frame-Festival in dritter Runde

26. März 2009, 21:41
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Wiener Künstlerhaus wird bis 26. April zum flimmernden Nachtclub für Visualisierung digitaler Musik

Wien - Das Wiener Künstlerhaus wird dieser Tage zum "größten Off-Space Österreichs", wie Direktor Peter Bogner am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum freitags startenden "Sound:Frame Festival" betonte. Zum dritten Mal verwandlet das Festival für die Visualisierung elektronischer Musik mit einer lautstarken, schnellflimmernden und von zahlreichen Dunkelräumen durchsetzten Ausstellung das Künstlerhaus in einen, oder gleich mehrere, Nachtclubs. "Evolution Remixed!" ist ab Samstag (28. März) bis zum 26. April zu sehen, rund um die Schau geht es auch bei Symposien, Workshops und natürlich in zahlreichen echten Clubnächten zur Sache.

Bei der Eröffnung am Samstagabend steuert etwa Ex-"Kraftwerk"-Mitglied Karl Bartos eine Live-Performance im Gartenbaukino bei. "Und hoffentlich erzählt er uns auch etwas", so die Künstlerische Leiterin Eva Fischer. Denn besonderes Augenmerk liegt heuer auf den Vorreitern der Visualisierung bis in die 20er Jahre, mit denen sich auch die Ausstellung in ihrer "Evolution Area" auseinandersetzt. Mit dem absoluten Film eines Oskar Fischinger etwa, oder dem strukturellen Film eines Peter Kubelka. Beim Theorie-Wochenende kommt mit dem heute 81-jährigen Herbert W. Franke auch ein Pionier der Computerkunst zu Wort.

Im Zentrum steht allerdings die Auseinandersetzung - oder eben der "Remix" - zeitgenössischer Visualisierungskünstler mit ihren Wurzeln. Da wird ein Film Fischingers digital nachgestellt, Nam June Paik kommt ebenso in neuem Gewand daher wie Fritz Langs "Metropolis". Dass die junge Wiener Visualisten-Szene das "Potenzial für den Aufbau einer Themenführerschaft" hat, wie der Geschäftsführer der Kreativwirtschafts-Agentur "Departure", Christoph Thun-Hohenstein, heute versicherte, will man mit einem Querschnitt durch das aktuelle Schaffen zwischen VJing und Installationskunst zeigen.

Ein bisschen fühlt es sich an wie ein nächtlicher Streifzug von einem Club zum nächsten: Abgedunkelte Räume, durchdringende Beats, durchleuchtende Farbstrahler, Leinwände mit Projektionen von Tanzflächen oder einfach nur schwindelerregend schnell geschnittenen Bildern. Nebenan zeigen sieben gleichzeitig spielende Video-Loops, quer durch den Raum verteilt, das erfundene Land "Kaderstan", fliegende Untertassen in schwarz-weiß erinnern an die Sci-Fi-Filme der 50er Jahre. Von jedem Bildschirm her tönt sein eigener Klang, der sich im Raum zu einer übergreifenden Audio-Geschichte verflicht.

Eine Dunkelkammer weiter prangt der Käfig des "Synthie", eine Installation, in der ein Haufen umeinander arrangierter Synthesizer ein abgekapseltes Klanglabor simulieren. Vielleicht die konkreteste Verwirklichung des Phänomens, dass Kunstwerk und Künstleratelier hier oft ein und dasselbe sind. "Atelierbesuche" gilt es in den kommenden Wochen etwa im Fluc, im Flex oder im brut zu absolvieren. (APA)

 

  • 4youreye  (Eva Bischof-Herlbauer, Gery Herlbauer, Wien)
    foto: soundframe / 4youreye

    4youreye  (Eva Bischof-Herlbauer, Gery Herlbauer, Wien)

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