Verwirrung um Verhaftung eines vermeintlichen Kriegsverbrechers

27. März 2009, 16:06
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Interpol: Fingerabdrücke passen nicht zu Radko Mladic - Minister: Festnahme hat nichts mit Serbien zu tun

Mombasa/Lyon/Belgrad  - Die Festnahme eines vermeintlichen Kriegsverbrechers in Kenia hat nach Worten des serbischen Arbeitsministers Rasim Ljajic mit den Klagen, die vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal gegen Serben erhoben wurden, nichts zu tun. "Die Festnahme in Kenia hat mit Serbien nichts zu tun", sagte Ljajic im serbischen Parlament. Der Arbeitsminister ist in der Regierung für die Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien zuständig.

Unter Berufung auf kroatische Medien berichtete die serbische Presseagentur Tanjug, dass es sich bei dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher um einen 65-jährigen kroatischen Bürger Igor M. handle. Seine Mutter Katica M. habe bestätigt, dass er bereits seit 25 Jahren in Kenia lebe. Ihr Sohn habe mit Kriegsverbrechen und dem Haager Gericht nichts zu tun, berichtete die Presseagentur. Er sei auch am Balkan-Krieg gar nicht beteiligt gewesen, wurde die Mutter des festgenommenen Mannes zitiert.

Interpol dementiert

Die internationale Polizeibehörde Interpol hat dementiert, dass es sich bei einem in Kenia festgenommenen Mann um den ehemaligen bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic handelt. Dies hätten Fingerabdrücke ergeben, die von den kenianischen Behörden übermittelt worden seien, teilte Interpol am Freitag in Lyon mit. Die kenianische Polizei hatte am Donnerstag im Zusammenhang mit Ermittlungen des UN-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien einen Mann festgenommen.

Der am Donnerstag Festgenommene trat unter dem Namen Igor Majeski oder Mejaski auf. "Er ist ein Mann aus Osteuropa, der ein vom Kriegsverbrechertribunal gesuchter Verdächtiger sein soll", sagte Polizeisprecher Erkiic Kiraithe. Der Verdächtige besitzt Angaben der Polizei zufolge einen kroatischen Pass, der aber gefälscht sein könnte.

Nach kroatischen Medienberichten ist der Festgenommene ein 1946 geborener Kroate, der zwei Jahrzehnte in Mombasa gelebt habe. Er sei während der Jugoslawien-Kriege (1991-1995) nicht in der Heimat gewesen. AFP wiederum meldete, dass es sich bei dem Festgenommenen um einen aus Ex-Jugoslawien stammenden Deutschen handle. Eine Sprecherin der Anklagebehörde am Haager Tribunal wollte die Nachricht von der Festnahme eines Gesuchten nicht kommentieren. Der Vorgang sei ihr nicht bekannt. Auch das Gericht äußerte sich nicht.

"Ich war schockiert"

Der Gesuchte soll seit Jahren in einem Geschäft für Wassersport in der Nähe des Urlaubsorts Mombasa gearbeitet haben. In einer Reportage über den Tourismus an der Küste des Indischen Ozeans hatte Reuters-TV im Jänner 2008 Aufnahmen von dem Festgenommenen gemacht. Die Bilder zeigten ihn vor seinem Wassersportgeschäft.

Kollegen des als Majeski bekannten Mannes äußerten sich über seine Festsetzung erstaunt. "Ich war schockiert", sagte Mohammed Hersi vom Whitesands-Hotel, in dem der angebliche  Kriegsverbrecher sein Geschäft betrieben hatte. Andere Mitarbeiter bezeichneten den Festgenommenen als joviale Persönlichkeit, die gut mit Touristen zurechtgekommen sei.

Der Internationale Gerichtshof sucht derzeit vor allem nach zwei Führungsfiguren aus den Balkan-Kriegen der 90er Jahre: Ratko Mladic, bosnisch-serbische Ex-Militärchef, und Goran Hadzic, politischer Ex-Chef der kroatischen Serben. (APA/Reuters/dpa)

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