Justizdoping

26. März 2009, 18:37
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Nach der interstaatlichen Anmaßung des flächendeckenden Rauchverbots droht die politische Regulierungswut inquisitorische Maße anzunehmen

Sportminister Darabos will Dopingvergehen über das Strafrecht verfolgen. Soll er, wenn er auf Händler, Trainer, Ärzte, Verführer von Kindern und Jugendlichen zielt. Aber Darabos reitet in seiner reformerischen Aufwallung auch gegen Freizeitsportler und wachelt mit Haftstrafen. Nach der (auch von der EU betriebenen) interstaatlichen Anmaßung des flächendeckenden Rauchverbots droht die politische Regulierungswut inquisitorische Maße anzunehmen.

Bei allem Respekt: Wenn ich (unwahrscheinlich genug) an einem Marathon teilzunehmen gedenke, mich mit Anabolika aufziegele und keinen Konkurrenten gefährde, geht das den Herrn Darabos genauso wenig an wie die Beruhigungstablette des Maturanten vor der Mündlichen oder der Betablocker des abstiegsgefährdeten Trainers in der zweiten Landesliga.

Es geht nicht an, dass die Propaganda des Sportministers für tiefgreifende Eingriffe in gesetzlich geschützte Bereiche (neben der Dopingverfolgung übrigens auch die Unabhängigkeit des Sports) keine ernsthafte Diskussion auslöst. Zeitungen schwanken zwischen Rufmord angeblicher Dopingsünder und "die Reihen-dicht-wenn-die-FIS-ÖSV-Sportler-sperrt".

Der Skiverband wäre eine ernsthafte, wie beim ÖOC von Unabhängigen durchzuführende, Untersuchung wert. Der ÖSV hat sich selber untersucht und großteils freigesprochen. Keiner fand das zum Lachen.

Vielleicht erfährt die Justiz nun von Walter Mayer, was wirklich los war vor den und während der Spiele 2002 in Salt Lake "Blutbeutel" City und 2006 "Spritzen" Turin. (Johann Skocek/DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2009)

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