Nürnberger Versicherung klagt Bank Austria wegen "Primeo"

26. März 2009, 17:00
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Assekuranz beteiligt sich an US-Sammelklage - Außergerichtliche Regelung mit Bank gescheitert - Geldhaus sieht kein Verschulden

Wien - Der mutmaßliche Milliardenbetrüger Bernard Madoff beschert der Bank Austria wegen deren "Primeo"-Fonds weiter Ärger. Die Nürnberger Versicherung (NVÖ) zieht in den USA vor Gericht, berichtet das Magazin "Format" laut Vorabmeldung in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe. "Da die Nürnberger Versicherung AG Österreich Geschädigte im Fall Madoff ist, haben wir uns auf Anraten unserer Anwälte der US-Sammelklage angeschlossen", bestätigte Nürnberger-Chef Kurt Molterer dem Magazin.

"Beklagte sind insbesondere auch der Primeo Fund, Pioneer Alternative Investment, die Bank Austria und die HSBC Holdings PLC", so die Assekuranz. Die Bank Austria und ihre frühere Fonds-Tochter hatten die "Primeo"-Fonds in Österreich vertrieben.

Die Bank Austria hat laut Eigenangaben noch keine Klagsschrift aus den USA erhalten und könne deswegen zu den Inhalten keine Stellungnahme abgeben, hieß es.

Sorgfaltsverstöße

Die NVÖ wirft den Beklagten "diverse Sorgfaltsverstöße" vor, "insbesondere Verletzung von Aufsichts- und Treuepflichten". Die Versicherung beklagt einen Schaden von 763.000 Euro. Über die Erfolgschancen können die NVÖ-Anwälte derzeit noch keine verlässlichen Angaben machen. Die Bank Austria kann nicht nachvollziehen, "warum uns ein Verschulden an einem Betrugsfall in den USA treffen sollte", hieß es heute. Man sei seinen Informations- und Aufklärungspflichten voll nachgekommen.

"Laut unseren Anwälten ist mit einer Verfahrensdauer von 12 bis 24 Monaten zu rechnen", so Molterer. Auf Empfehlung der US-Advokaten sei ein Antrag auf Ernennung zum "lead plaintiff" gestellt worden. Mit dieser Stellung könne man mehr Einfluss auf den Verfahrensverlauf nehmen. Noch im April dürfte das US-Bezirksgericht über das weitere Vorgehen entscheiden, schreibt "Format".

Im Hintergrund formieren sich laut dem Magazin prominente "Primeo"-Geschädigte, darunter Ex-Bank-Austria-General Rene Alfons Haiden, Ex-Nationalbankpräsident Adolf Wala oder Ex-GiroCredit-Boss Hans Haumer. Sie alle haben über die Fonds "Primeo Executive" und "Primeo Select" indirekt Hunderttausende Euro in Madoff investiert und alles verloren.

Eine Aussprache mit Bank-Austria-General Erich Hampel, die Causa für rund 740 Bank-Austria-Kunden außergerichtlich zu regeln, sei kläglich gescheitert, so "Format". Die Bank Austria dazu: "Angebliche Gesprächstermine unseres Generaldirektors wollen wir nicht kommentieren". (APA)

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