Kapitalspritze für Volksbanken, Chef geht

26. März 2009, 17:44
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Nach monatelangem Machtkampf im Sektor nimmt Franz Pinkl den Hut. Der Aufsichtsrat segnete die Aufnahme von Staatskapital ab

Wien - Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) holt sich eine Milliarde Euro Staatskapital - ihr Chef, Franz Pinkl, wird aber nicht mehr dabei sein. Am Donnerstag hat der Aufsichtsrat des viertgrößten hiesigen Bankinstituts beschlossen, eine Milliarde auf zehn Jahre und um 9,3 Prozent Zinsen zu beanspruchen. Zudem verkauft die ÖVAG Retailbanken innerhalb des Sektors; mit dem Verkaufserlös (rund 200 Mio. Euro) sollen die Schulden rasch abgebaut werden.

Bereits vor der Sitzung war bekannt geworden, dass Pinkl, der die Verhandlungen mit der Republik laut Involvierten "hervorragend" geführt hatte, per 30. April zurücktritt. Die Neuausrichtung der ÖVAG, die durch die Verstaatlichung ihrer Tochter Kommunalkredit notwendig wurde, sei "in anderen Händen besser aufgehoben", habe der 53jährige erklärt.

Dem ist wie berichtet ein Machtkampf im Sektor vorangegangen; das Match lief Pinkl gegen Genossenschaftsverband unter Hans Hofinger und gegen etliche Pinkl-kritische Volksbanken. Der Verband wollte, dass die ÖVAG weniger Geld vom Steuerzahler und stattdessen solches vom Haftungsfonds nimmt. 

Vorstand halbiert

Pinkl hat sich durchgesetzt; dass er trotzdem seinen Hut nimmt, könnte mit dem Gutachten von PricewaterhouseCoopers zu tun haben, das die Informationsflüsse in der Kommunalkredit (Pinkl war Präsident) beleuchtet. Der Bericht liegt dem Aufsichtsrat zwar noch nicht vor, aber angeblich gab es eine Vorpräsentation, "die nicht zur Stärkung von Pinkls Stellung beitrug", wird erzählt. Der Vorstand der ÖVAG halbiert sich nun: Pinkl, Wilfried Stadler und Manfred Kunert gehen; vorläufig soll nur der CEO nachbesetzt werden; ein Kandidat ist Vorstandsmitglied MichaelMendel, Ex-HVB und Bank Austria.

Der Ex-Chef der Kommunalkredit, Reinhard Platzer, ist inzwischen dabei, etwaige Abfertigungsansprüche zu sondieren. Berichte, er fordere 3,5 Mio. Euro weist er zurück: "Ich bin an einer einvernehmlichen Regelung und Gesprächen interessiert und habe brieflich erklärt, wie die Ansprüche aus meiner Sicht aussehen." Auch das Gerücht, er sei nun Konsulent für Raiffeisen (die RZB ist an der ÖVAG beteiligt) dementiert er. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2009)

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    Der Rücktritt Franz Pinkls wurde "mit Respekt" angenommen.

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