F&E: "Weniger kann mehr sein"

26. März 2009, 15:42
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Gezielte Investition kann mehr Wachstum und Profit bringen - Experten sehen in Zeiten der Wirtschaftskrise die Regierungen gefragt

Wien - Nach dem Motto "Weniger ist mehr" kann das Zurückfahren von Mitteln für Forschung und Entwicklung (F&E) ein Unternehmen zu mehr Innovation und Profit verhelfen als die bloße Steigerung der Gelder. Diese scheinbar in Zeiten der wirtschaftlichen Krise entstandene These gilt für Michael Davies von der Massachusetts Institute of Technology (MIT) Sloan School of Management in Cambridge (USA) völlig unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung. So würden Unternehmen wie Apple dadurch punkten, dass sie ein schmales Produktangebot haben, das zugleich "die Kunden erfreut", so Davies bei der "MIT Europe Conference" am Donnerstag in Wien.

Die "konventionelle Weisheit", dass der Ertrag aus F&E für ein Unternehmen am größten ist, wenn "man mehr Geld im eigenen Haus investiert, die eigenen Ressourcen maximiert, viele Produkte produziert, jedes mit vielen Features", ist für Davies zu überdenken. Schon alleine deswegen, weil der Kunde bei seinen Kaufentscheidungen nicht rational handelt. Ein zu großes Produktangebot und Produkte mit zu vielen Eigenschaften machen den Kunden "unglücklich", überfordern ihn.

Investition in Schlüsselaktivitäten

Es gebe "keine direkte Verbindung" zwischen hohen Ausgaben für F&E und Innovation, Wachstum und Profit, meint Davies. "Man muss Geld ausgeben, es kommt aber darauf an wie." So seien etwa die Forschungslabors von Microsoft vergleichsweise ineffizienter als jene Apples. Der Erfolge liege in der Struktur der Produktpalette. Zudem werde bei Apple nur in Schlüsselaktivitäten investiert, andere Leistungen würden in Zusammenarbeit mit externen Partnern erbracht.

Karl Koster, Geschäftsführer des MIT Office of Corporate Relations, erwartet angesichts der Wirtschaftslage zwar makroökonomisch betrachtet noch finanzielle Einschnitte für die Unternehmensforschung. Andererseits würden Unternehmen in diesen Tagen gemeinsam mit Partnern, etwa über "Joint Ventures" und das "Outsourcing", innovieren.

Finanzielle Einschnitte erwartet

Grundsätzlich sieht Koster in Zeiten der Wirtschaftskrise die Regierungen gefragt, in Forschung zu investieren. In den USA sei man mit der neuen Regierung "vorsichtig optimistisch", dass die Zuwendungen für die großen Forschungsagenturen eher zunehmen. Dennoch: Für das MIT, das gerade sein nächstes Budget vorbereitet (bisher umgerechnet 482 Mio. Euro), nimmt Koster an, "dass es finanzielle Einschnitte geben wird". Wie tief sie sein werden, wisse er nicht. Die positive Nachricht: Das Forschungsvolumen des MIT seit Jahresbeginn liegt bei einem Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Austausch

Austausch zwischen Forschern der Top-US-Uni und der Industrie sowie "Innovation, technologische Federführung und globales Vernetzen" sind auch das Hauptthema des Industrial Liaison Programme (ILP) des MIT. Das von Koster geleitete Programm hat rund 200 Einrichtungen als Partner. Seit 19 Jahren ist die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) der einzige österreichische Partner und eines der wenigen institutionellen Mitglieder des ILP. Als solcher hat die WKÖ die Europa-Konferenz des MIT Mittwoch und Donnerstag in Wien mit rund 300 Teilnehmern veranstaltet. So haben pro Jahr rund 80 heimische Unternehmen Zugang zu den Forschungsergebnissen der Elite-Uni, etwa über den Zugang zu Datenbanken. Es kommt auch zum direkten Austausch über Besuche.

Direkte Forschungskooperationen mit dem MIT seien "für österreichische KMU nicht leistbar", sagte Christian Kesberg von der WKÖ-Außenhandelsstelle in New York. Es mache auch keine Auftragsforschung. Doch Unternehmen können als "Research Sponsor" Geld in einen bestimmten Forschungsbereich investieren - "kommt etwas dabei heraus, erfährt man es als erster". (APA)

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    Davies zur Forschung: Es gibt "keine direkte Verbindung" zwischen hohen Ausgaben für F&E und Innovation, Wachstum und Profit.

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