Für eine Hand voll Sonderziehungsrechte

26. März 2009, 15:24
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China will den US-Dollar ablösen - SZR sind aber eigentlich keine Währung

Frankfurt - In der von China angestoßenen Diskussion um die Ablösung des US-Dollar als Weltleitwährung werden immer wieder die sogenannten Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) genannt. Diese sind zwar eigentlich keine Währung, sondern eine internationale Recheneinheit zwischen Finanzinstitutionen, Zentralbanken und Staaten. Da der IWF bei der geplanten Reform der internationalen Finanzarchitektur aber an Einfluss gewinnen könnte, hat die Idee Chinas Brisanz.

Nachfolgend ein kurzer Überblick über Geschichte, Zuschnitt und Verwendung der Sonderziehungsrechte (SZR) im internationalen Währungs- und Finanzgefüge:

Was sind Sonderziehungsrechte?

Die Sonderziehungsrechte des IWF sind eine buchhalterische Größe im Kapitalverkehr zwischen Staaten, Zentralbanken und dem Währungsfonds. Sie sind Bestandteil der Währungsreserven der am IWF beteiligten Länder. Jedes Land kann SZR in die Währungen der anderen Länder eintauschen. Begründet wurden die SZR vor 40 Jahren, als noch das Währungssystem von Bretton Woods mit fixen Wechselkursen existierte. Damals dienten sie als Reservewährung. Nach dem Scheitern des Bretton Woods Systems Anfang der 70er Jahre haben die SZR im heutigen System freier Wechselkurse nur noch eine geringe Bedeutung.

Wie setzten sich SZR zusammen?

Ursprünglich war jedes Sonderziehungsrecht exakt 0,888671 Gramm Gold wert. Nach dem Zusammenbruch von Bretton Woods wurde das System umgestellt. Heute repräsentiert ein SZR den Gegenwert eines Währungskorbs, der sich aus den wichtigsten Währungen der Welt zusammensetzt - US-Dollar, Euro, Yen und Pfund . Der IWF legt den Wert eines SZR jeden Tag neu anhand der Wechselkurse der abgebildeten Währungen und ihres Anteils am Korb fest. Der Anteil des Dollar beträgt rund 42 Prozent - dann kommen Euro (37 Prozent), Yen (12 Prozent) und Pfund (9 Prozent). Überprüft wird die Zusammensetzung alle fünf Jahre, das nächste Mal 2010.

Warum gibt es Sonderziehungsrechte?

Heutzutage dienen die Sonderziehungsrechte vor allem noch als Einlagen der Staaten beim IWF. Entsprechend ihrer nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit errechneten Quote müssen diese nämlich beim Fonds Einlagen halten. Die höchste Quote und damit auch die größte Menge an Sonderziehungsrechten haben die USA - rund 37,1 Milliarden. Aus der Quote leitet sich zum einen das Stimmgewicht eines Landes beim IWF ab - ein Punkt, der in der Vergangenheit immer wieder für Streit sorgte. Andererseits bemisst sich aus der Quote und den eingezahlten Mitteln auch der Kreditbetrag, mit dem der IWF im Falle einer Krise das betroffene Land unterstützt.

Taugen Sonderziehungsrechte als Weltwährung?

Analysten sind sich weitgehend einig darin, dass die Sonderziehungsrechte den Dollar nicht als Leitwährung ablösen werden. Das hat im Kern drei Gründe: Einerseits liegt den SZR wie beschrieben ein fester Währungskorb zugrunde. Wären die SZR Leitwährung, könnten die Staaten und Zentralbanken ihre Reserven nicht mehr aktiv managen, da sie sich an dessen Zusammensetzung orientieren müssten. Ein weiteres Problem ist, dass die SZR an den internationalen Kapitalmärkten keinerlei Rolle spielen. So gibt es beispielsweise keine auf SZR lautenden Anleihen oder Aktien. Last but not least spricht für den Dollar immer noch seine unangefochtene Stellung als Reservewährung Nummer eins: An den internationalen Devisenreserven aller Zentralbanken hat der Greenback nach wie vor einen Anteil von mehr als 60 Prozent - Tendenz allerdings fallend. (APA/Reuters)

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    Was wird dann bloss aus "Million-Dollar-Baby", "The Six Million Dollar Man" oder Dolly Dollar?

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