Deutscher Mobilfunkanbieter Freenet will Schulden abbauen

26. März 2009, 14:02
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Geschäft wird schwieriger

Das deutsche Mobilfunkunternehmen Freenet will nach mehreren Unternehmenskäufen und einem grundlegenden Konzernumbau nun vor allem seine Schulden verringern. "Der Fokus liegt auf Schuldenabbau", sagte Vorstandssprecher Joachim Preisig am Donnerstag in Hamburg. Aus dem laufenden operativen Geschäft sei das Unternehmen in der Lage, mehr als 100 Mio. Euro zu tilgen. Das liege deutlich über den 66 Mio. Euro Tilgung, zu denen Freenet ohnehin vertraglich verpflichtet sei.

Darüber hinaus hielt sich der Vorstand des Unternehmens aus dem schleswig-holsteinischen Büdelsdorf mit Aussagen über das laufende Geschäftsjahr stark zurück. Lediglich eine Zielzahl für das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 450 Mio. Euro ließ sich Preisig entlocken. Dazu gebe es jedoch wegen zahlreicher Sondereinflüsse keinen vergleichbaren Vorjahreswert.

Fest steht: Das Geschäft wird für Freenet nicht einfacher. Nach dem Erwerb der Konkurrenten Talkline, Dug und debitel ist der Mobilfunk das Kerngeschäft von Freenet mit einem Umsatzanteil von mehr als 80 Prozent. Es laufen verschiedene Projekte, um die Unternehmen zusammenzuführen, Standorte zu konzentrieren und Personal abzubauen. Daraus resultieren gegenwärtig hohe Belastungen; ab 2011 sollen jedoch Einspareffekte von mehr als 210 Mio. Euro wirksam werden. Davon waren im Jahr 2008 bereits 90 Mio. Euro erreicht.

"Der Wachstumstreiber im Markt ist die Nachfrage nach mobilen Datendiensten, Werbung und Inhalt", sagte Preisig. In dem weitgehend gesättigten Mobilfunkmarkt werde der Umsatz je Kunde vermutlich weiter zurückgehen. Freenet setze daher vor allem auf Qualität, also auf Kunden, die viel telefonieren und ihre Rechnungen auch bezahlen. Das Telefonierverhalten habe sich in der Wirtschaftskrise bisher nicht spürbar verändert; das Unternehmen habe aber aus Vorsicht einen möglichen Rückgang der Gewinne mit einkalkuliert.

An dem seit Monaten geplanten Verkauf der DSL-Sparte hält der Vorstand fest, allerdings nicht um jeden Preis. Freenet will sich von diesem Geschäft trennen, weil das Unternehmen nicht zu den großen Anbietern im Markt aufschließen kann. Bisher hat sich jedoch kein Käufer gefunden. Die Ergebnisse der Sparte hätten sich stark verbessert; damit seien die Handlungsmöglichkeiten des Vorstands gewachsen, sagte Preisig. Falls kein angemessener Preis zu erzielen sei, könne Freenet die Sparte auch behalten.

Insgesamt hat die Freenet Group mehr als 23 Mio. Kunden, davon 19,1 Mio. im Mobilfunk, und bezeichnet sich damit als der größte netzunabhängige Telekommunikationsanbieter in Deutschland. Vor Freenet liegen die Telekom und Vodafone. Die rund 1.000 Shops der Gruppe werden gegenwärtig auf ein einheitliches Markenbild mit der Leitfarbe grün umgestaltet und heißen künftig mobilcom debitel. Die übrigen Marken laufen langsam aus und werden nicht mehr beworben. Die Discount-Marke klarmobil bleibe jedoch erhalten.

Im vergangenen Jahr erzielte Freenet einen Umsatz von 2,87 Mrd. Euro und einen Gewinn nach Steuern von 111,6 Mio. Euro. Die Zahlen sind wegen des debitel-Kaufs und verschiedener Sondereinflüsse kaum mit dem Vorjahr vergleichbar. Freenet beschäftigt rund 7.000 Menschen. (APA/dpa)

 

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