RI vor "erheblicher Kapitalstärkung"

26. März 2009, 16:21
posten

Etliche Osttöchter werden rekapitalisiert - Krise dauert wohl drei Jahre - Auch 2009 Gewinn angestrebt

Wien - Bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB) ist die Hereinnahme von staatlichem Partizipationskapital (PS-Kapital) für 1,75 Mrd. Euro unterschriftsreif. Die Bank wird damit ihre eigene Kapitalbasis stärken und zufließende Mittel auch in der Gruppe verteilen. Einen Teil wird die RZB an ihre börsenotierte 70-Prozent-Tochter Raiffeisen International (RI) weiterreichen.

Raiffeisen International prüfe derzeit verschiedene Varianten einer "erheblichen Kapitalstärkung" - und zwar mit stimmrechtslosen Instrumenten ohne verwässernden Effekt, sagte RI-Finanzvorstand Martin Grüll in der Bilanzpressekonferenz mit Vorstandschef Herbert Stepic in Wien in Richtung Streubesitzaktionäre. Details der bevorstehenden Kapitalspritze werden vorerst aber nicht genannt.

Im Markt gilt als eine mögliche Variante, dass die RZB wieder Hybridanleihen der RI zeichnet. Dazu gab es vom Vorstand keine Angaben.

Weder zum Volumen noch zum Zeitrahmen gab es Ankündigungen. "Wir werden so viel bekommen wie wir brauchen", sagte Stepic. Einen Rückzug von der Wiener Börse schloss er heute aus. Gerüchte dazu gab es im Markt. "Wir haben nie daran gedacht, und wir denken auch nicht daran, Raiffeisen International von der Börse zu nehmen", betonte Stepic. Das wäre "völlig unsinnig".

Kapitalerhöhungen auch bei Osttöchtern

Grüll bestätigte auch, dass Raiffeisen International bei den Osttöchtern "in etlichen Ländern Kapitalerhöhungen" plant. Die internen Prüfungen dazu sollen in zwei Wochen fertig sein. Verhandelt wird dazu auch mit den supranationalen Institutionen, allen voran EBRD, IFC und EIB. Fest steht bis jetzt nur eine Kapitalstärkung der Ungarn-Tochter um 60 Mio. Euro und in der Ukraine für 160 Mio. Dollar.

In Osteuropa wird beim Personal auch der Rotstift angesetzt: In der ukrainische Aval Bank werden bis Sommer 1.800 Leute abgebaut, das sind 10 Prozent der Belegschaft in dem Land, in Ungarn geht es um 315 Stellen oder etwa 8 Prozent der Mitarbeiter. In der Slowakei kostet ein Effizienzprogramm aktuell 50 Jobs. Stepic konnte nicht ausschließen, dass es auch in dem einen oder anderen weiteren Land Schnitte beim Beschäftigtenstand geben wird. Das sollte aber vor allem weiter über natürliche Fluktuation erfolgen.

Horrorszenarien, wonach im Osten 30 Prozent der Kredite oder mehr abzuschreiben sein könnten, weist Stepic zurück. Er geht davon aus, dass sich die Krise über drei Jahre erstrecken wird. Deshalb würden erhöhte Risikokosten auch nicht in einem, sondern auf mehrere Jahre verteilt anfallen. "Natürlich wird es höhere Ausfälle geben, aber dann nicht alle im gleichen Monat oder gleichen Jahr", und schon gar nicht in allen Ländern der Region auf einmal.

Als Problemländer nannte Stepic aktuell die Ukraine und Ungarn. Ungarn werde sich aber gewohntermaßen "durchwurschteln", und auch für die Ukraine fürchtet er keinen Staatsbankrott.

Eine Prognose fürs RI-Ergebnis 2009 vermied Stepic, zumal seit November bereits sieben BIP-Prognoserevisionen für die Region vorlägen. Ob 2009 ein Gewinnjahr werde? "Wir sind bestrebt, einen Gewinn zu machen." 

Gerüstet für 2009

Stepic hält jedenfalls am Engagement in Osteuropa fest. 2009 peilt er abermals Gewinn an. "Wir sind gerüstet für das Krisenjahr 2009." Die Gruppe habe gegen alle erkennbaren Risiken Vorkehrungen getroffen. "Wir sind gut gewappnet", betonten Stepic und Finanzchef Martin Grüll bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag.

Als Langstreckenläufer habe man Tempo rauszunehmen und zu bremsen, bevor man stolpere. Damit sprach Stepic den Filialstopp, Mitarbeiteraufnahmestopp bzw. den Abbau von Personal in einigen Ländern - die meisten davon in der Ukraine - an. Die Fremdwährungskredite in Franken wurden im Osten völlig gestoppt. Eine Bankgründung in Kasachstan wurde, obwohl die Genehmigung da war, kurzfristig aufgegeben. "Gottseidank, sonst hätten wir Geld verloren", so Stepic. Werde es im Gelände steil, seien Muskeln aufzubauen. Das beschreibt im Bild Raiffeisens die bevorstehenden Kapitalerhöhungen bei den Ostbankentöchtern.

In krisenbetroffenen Ländern, wo die Kreditnehmer Rückzahlungsschwierigkeiten bekommen, gelte es, die Kunden an der Hand zu nehmen. Mit Stundungen und längeren Laufzeiten wolle man sie durch die Krise tragen. Die Konzentration auf Kredite und Einlagen habe im Osten ("Brot- und Buttergeschäfte") die Raiffeisen-Bankengruppe vor toxischen Papieren verschont. Dieses Geschäftsmodell in Frage zu stellen wäre "absurd".

Nicht risikofrei

Ost- und Zentraleuropa ist "natürlich nicht risikofrei", befand der Raiffeisen-International-Chef. Raiffeisen International habe aber einen langen Atem, um die voraussichtlich drei Jahre dauernde Krise zu bewältigen. Stepic geht davon aus, dass die verschärfte Wirtschaftskrise in Zentral-Osteuropa (CEE) etliche kleinere und mittlere Banken in der Region zu Fusionen mit größeren zwingen wird.

Im Osten ist nach Angaben von Stepic der mehrjährige Aufholprozess durch die internationale Krise jetzt lediglich unterbrochen worden. Ein Drittel habe man schon geschafft, zwei Drittel stünden noch aus. Stepic malt für das Geschäft im Osten das Bild vom Langstreckenlauf, den man jetzt trotz neuer Hürden und Umwege weiter laufe. "Raiffeisen International wird an der Spitze ins Ziel kommen", ist er überzeugt. Wichtig sei jetzt, den "Konvergenzprozess" nicht abreißen zu lassen, nicht schon wieder ein Europa von zwei Geschwindigkeiten entstehen zu lassen.

Im härter werdenden Gelände und bei schärferem Gegenwind "werden nicht alle Läufer das Ziel erreichen", vermutet der RI-Boss. Einige würden sich wegen Konditionsmängeln wohl an andere "laufstärkere" Gruppen anschließen müssen.

Das dürfte bei kleineren und mittleren Banken der Fall sein, "sicher nicht bei den Systembanken", und sicher nicht bei Raiffeisen, fügte er hinzu. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.