Krise nimmt dem Würstel nicht den Senf weg

26. März 2009, 17:59
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Bayerischer Familienbetrieb Develey fettet Produktion von Mautner Markhof auf - Exporte aus Wien wachsen

Wien - Österreichern einen Bautz'-ner Senf verkaufen zu wollen, spiele es nicht, meint Michael Durach. Senf sei neben Bier das wohl regionalste Lebensmittel. Zu einem ös-terreichischen mache ihn die Note Estragon, der cremige würzigere Geschmack. Das in Bayern oder im Osten zu fertigen sei unmöglich.

Durach ist Chef des bayerischen Familienbetriebs Develey und Herr über die Produktion von Senf, Essig, Feinkost und Sirup in fünf Ländern. Seit 2002 gehört seiner Familie auch die Marke Mautner Markhof mitsamt der Fertigung in Wien-Simmering. Von einer Wirtschaftskrise sehe er in seiner Branche wenig. Auf den Essig für den Salat und Senf zum Würstel verzichte keiner, schon gar nicht, wenn man beim Essen außer Haus spare, glaubt er.

Sanierung geglückt

An Krisen sei er zudem gewöhnt, sagt Durach. "Wir kommen gerade aus einer. Mautner Markhof war ja ein Sanierungsfall." Nun stehe der Betrieb wieder solide da und erziele Gewinne. Die Zahl der Mitarbeiter wurde auf 140 erhöht und Marketingbudgets um 50 Prozent aufgefettet. Durach will den Umsatz in Österreich damit von 38 auf 40 Millionen Euro erhöhen. Gelinge dies heuer nicht, sei es auch nicht tragisch. "Wir müssen keine Analysten befriedigen, wir wachsen nachhaltig." Gefertigt wird in Wien die gesamte Produktpalette. Bei Sirup wurden die Simmeringer der bayerische Marktführer. Ihre Exporte gehen neben Deutschland vor allem in den Osten. Lieferant der ersten Stunde sind sie auch für McDonald's - mit Ketchup. Verträge mit dem Fastfood-Riesen gibt es gemäß dessen Geschäftsphilosophie keine. Aber die Partnerschaft funktioniere auch so gut, meint Durach.

Develey setzt mit 1000 Mitarbeitern rund 200 Mio. Euro um. Leicht ist das Geschäft nicht. Die Preise für Senfsaat etwa haben sich durch den Rückgang der Anbaufläche in den vergangenen Jahren vervierfacht. Die Mehrkosten an den Handel in vollem Umfang weiterzugeben gelinge mittelständischen Unternehmen wie dem seinen nicht, seufzt der Bayer. Dass er auch für Handelslabels fertige, setze seiner Marke nicht zu. Es dürfe eben keine Überschneidungen geben. Für die günstigsten Preiseinstiegslagen gebe er sich ohnehin nicht her.

Mit dem Konkurs der Feinkostsparte von Manfred Mautner Markhof hat das Wiener Werk nichts zu tun. Da und dort in denselben Topf geworfen zu werden habe ihn aber schon geschmerzt, so Durach. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2009)

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