Schmied will nur mehr Bundeslehrer

26. März 2009, 12:56
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Unterrichtsministerin will Reform der Schulverwaltung angehen - Schulstandorte stärken, Direktoren besser qualifizieren und nur mehr auf fünf Jahre bestellen

Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied sieht sich durch die am Dienstag vorgelegte Expertenanalyse zur Verwaltungsreform bestärkt und will nun die Reform der Schulverwaltung angehen. Dabei will sie die Schulstandorte stärken, Direktoren besser qualifizieren und nur mehr auf fünf Jahre bestellen, alle Lehrer zu Bundeslehrern machen, Bezirksschulräte abschaffen und bis Herbst 2010 ein neues Dienst- und Besoldungsrecht ausarbeiten. "Der Bildungsbereich muss gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorgehen, dafür ist der Umbau der Schulverwaltung zentral", erklärte Schmied am Donnerstag im Gespräch mit der APA.

"Verordnungs- und Erlasskultur"

Schmied stört die derzeit vorherrschende "Verordnungs- und Erlasskultur", während "die Verantwortung am Schulstandort" noch zu wenig ausgeprägt sei. Deshalb will sie die Schulautonomie stärken. Dazu soll es Ausbildungsprogramme für angehende Schulleiter geben, die ähnlich wie Leitungsfunktionen in der Verwaltung nur mehr auf fünf Jahre bestellt werden sollen. Wichtig sei auch, dass die Direktoren mitbestimmen können, wer an der Schule unterrichtet. Zudem sollen die Schulleiter auch die Verantwortung für die Fortbildung mittragen, die in Zukunft viel intensiver an den Schulen stattfinden soll.

Damit sich Lehrer dem Unterricht mehr widmen können, sollen sie von administrativer Tätigkeit freigespielt werden. Dazu will Schmied an größeren Schulen ein mittleres Management einführen und administrative Kräfte zur Entlastung der Lehrer einstellen. Und im Zusammenhang mit Bildungsstandards müsse auch die Qualitätskontrolle am Schulstandort erfolgen.

Für die Schulaufsicht (Landes- und Bezirksschul-Inspektoren) will die Ministerin nicht nur eine neue Bezeichnung ("Das ist mir ein bisschen zu martialisch"). Inhaltlich müsse diese auch stärker in Richtung Qualitätsmanagement gehen. "Wir haben heute das große Problem, dass wir Qualität nicht wirklich sichern können; PISA und andere Studien zeigen das sehr unterschiedliche Qualitätsniveaus von Schulstandorten", sagte Schmied.

Nur mehr Bundeslehrer

Bei der - auch von den Verwaltungsreform-Experten heftig kritisierten - Trennung in Landes- und Bundeslehrer spricht sich Schmied dafür aus, alle Pädagogen zu Bundeslehrern zu machen, um ein österreichweit einheitliche Steuerung und Controlling der Lehrer zu gewährleisten. Der Ministerin ist "klar, dass wir hier in eine Föderalismusdebatte hineinkommen", sie sieht sich aber "in einer Linie mit Finanzministerium und Rechnungshof".

Auf Länderebene spricht sich Schmied für den Abbau von Doppelgleisigkeiten aus. So gebe es in einigen Bundesländern neben den Landesschulräten als Bundesbehörden noch zusätzlich Schulverwaltungen in den Ämtern der Landesregierung. "Es wäre sicher die effizienteste Variante, ähnlich wie in Wien oder Niederösterreich das im Landesschulrat zusammenzulegen", sagte Schmied, die auch die Ebene der Bezirksschulräte streichen will.

Für ein neues Dienst- und Besoldungsrecht will Schmied "sofort starten", sie hat sich vorgenommen, bereits ab September 2010 eine neue Regelung zu haben. Erleichtert werden könnte dies durch den Verzicht auf eine Neuregelung für alle Beamte. "Die Gruppe der Lehrer ist so groß und die Probleme des derzeitigen Dienstrechts so gravierend, dass wir das jetzt herauslösen und gezielt angehen", sagte Schmied, die ein "enormes Vereinfachungspotenzial" ortet. (APA)

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