Homosexualität wird immer noch "behandelt"

26. März 2009, 12:27
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Laut Britischer Studie haben 17 Prozent der TherapeutInnen die Bereitschaft, homosexuelle Gefühle "zu dämpfen"

London - TherapeutInnen bieten immer noch Behandlungen von Homosexualität an, obwohl es keine Beweise dafür gibt, dass sie funktionieren. Eine nicht unbedeutende Minderheit hat auf Anfrage zugesagt, zumindest einem/einer PatientIn dabei zu helfen seine schwulen oder lesbischen Gefühle zu "verringern". An der in BMC Psychiatry veröffentlichten Befragung nahmen 1.400 TherapeutInnen teil. Laut dem Team um Michael King vom University College London handelten viele in "bester Absicht".

Hilfe zur "Dämpfung" homosexueller Gefühle

Nur vier Prozent der Befragten gaben an, dass sie versuchen würden die sexuelle Orientierung eines Menschen zu verändern. Wurden sie gefragt, ob sie helfen würden die homosexuellen Gefühle zu dämpfen, sagten immerhin 17 Prozent, also einer von sechs TherapeutInnen, zu. Diese Haltung scheint sich seit Jahrzehnten nicht verändert zu haben. "Selbstverständlich ist es in Ordnung, wenn ein Therapeut einem Menschen hilft, der ihn darum ersucht. Allerdings sollte diese Hilfe auf wirksamen Therapien beruhen, die ihm helfen seine Probleme zu erkennen und sich in einer Situation zurechtzufinden", betonte King. Es sei heute bekannt, dass alle Versuche die sexuelle Orientierung eines Menschen zu verändern extremes Leiden verursachen können. "Für uns war es äußerst besorgniserregend, dass es immer noch eine nicht unbedeutende Minderheit gibt, die das in bester Absicht zu ignorieren scheint."  

Aversionstherapien

Die Behandlung von Homosexualität als psychische Krankheit war in den USA und in Großbritannien vor allem in den 1970er und 1980ern weit verbreitet, die "Aversions-Therapie" galt zum damaligen Zeitpunkt geradezu als en vogue. Solche Therapien schlossen auch Maßnahmen ein wie die Kopplung von homosexuellen Bildern und Elektroschocks, um Gefühle von Ekel zu provozieren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entfernte Homosexualität erst 1992 von der Liste psychischer Erkrankungen.

Mehr Schaden als Nutzen?

Das Royal College of Psychiatrists erklärte laut BBC, dass homosexuelle Menschen ein Recht auf den Schutz gegen TherapeutInnen haben, die ihnen möglicherweise mehr schaden als helfen. Das gelte vor allem für jene, die vorgeben die sexuelle Orientierung verändern zu wollen. In Amerika gab es eine hitzige Debatte über die "Heilung" von Homosexualität. Die American Psychiatric Association (APA) forderte alle ethisch denkenden TherapeutInnen auf, keine Versuche zu machen, die sexuelle Orientierung eines Menschen beeinflussen zu wollen. Es gibt dennoch Organisationen, die sowohl für das Recht eines Menschen eintreten, sich behandeln zu lassen als auch für das Recht der TherapeutInnen eine Behandlung anzubieten. Sie verweisen auf eine Studie von Robert Spitzer, der 2001 davon ausging, dass eine Therapie sehr wohl eine Veränderung bringen könne. Der Psychiater war allerdings auch dafür eingetreten, dass die Association Homosexualität von der Liste psychischer Erkrankungen streichen soll. (pte)

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