Berliner Ensemble: Peymann droht mit Aufhören

26. März 2009, 11:09
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Subventionskürzung nach erheblichem Gewinn als Ursache: "Der Tüchtige wird bestraft"

Berlin - Claus Peymann droht mit seinem Weggang aus Berlin. Der 71-jährige Intendant und Regisseur sieht ein "schreiendes Unrecht" in der Subvention der Hauptstadt-Bühnen zuungunsten seines Berliner Ensembles (BE), das er nicht mehr hinnehmen werde. "Entweder kann ich weiterhin richtig großes Schauspieltheater am BE finanzieren oder das Theater am Schiffbauerdamm wird mit meinem Namen nicht mehr in Verbindung gebracht", erläuterte Peymann am Donnerstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur eien Artikel in der Berliner Tageszeitung "B.Z.", worin er drohte, das BE zu verlassen, wenn die Subventionskürzungen für sein Theater trotz erfolgrteichem Management nicht korrigiert werden: "Der Tüchtige wird bestraft."

Peymann, der früher in Stuttgart, Bochum und Wien erfolgreicher Theaterleiter war und seit 1999 das BE leitet, ist nach eigenen Worten "mit größter Lust in Berlin", sieht sich jetzt aber vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) im Stich gelassen, der ihm bei Amtsantritt zugesagt habe, über den festen Zuschuss in Höhe von etwa 10,5 Millionen Euro hinaus zusätzlich jährlich 1,5 Millionen aus Lottomitteln oder anderen "Töpfen" zu beschaffen. Er habe das bisher aus den eigenen Rücklagen ausgleichen können, die er aber eigentlich für seine Sonderprojekte wie "Wallenstein" dringend benötige.

"Ich habe bisher das Maul gehalten und gebe jetzt Alarm, sonst rennen wir ins Unglück. Wenn es mir an den Kragen geht, muss das jetzt geklärt werden, und wenn es mich selbst den Kragen kostet", sagte Peymann, der gleichzeitig Mehrheitsanteilseigner und Geschäftsführer seiner GmbH ist und in dieser Eigenschaft seinen Vertrag zuletzt bis zum 31. Juli 2011 selbst verlängert hatte. Wowereit bezeichnete die Umstände dieser Vertragsverlängerung seinerzeit als merkwürdig. Die Immobilie des Theaters am Bertolt-Brecht-Platz gehört der Ilse-Holzapfel-Stiftung mit Rolf Hochhuth.

Er werde jetzt dafür bestraft, meinte Peymann, dass er keine Schulden mache, großen Besucherzuspruch habe und mit 62 Euro mit die geringsten öffentlichen Zuschüsse pro Theaterkarte erhalte im Gegensatz zu anderen Theatern wie die Schaubühne mit 172 Euro, die Volksbühne mit 136 oder das Deutschen Theater mit 155. "Entweder kriegen die Kollegen zu viel Geld oder sie haben zu wenig Besucher oder sie wirtschaften schlecht", sagte Peymann: "Ich bin ein ehrbarer Kaufmann und Theaterdirektor mit Mitarbeitern, die bis an die Grenze der eigenen Ausbeutung für das Theater schuften."

"Ich stehe für richtig großes Schauspiel mit richtig großen Geschichten, für ein Theater der Meister und auch Altmeister mit Bob Wilson, Peter Stein, Klaus Maria Brandauer und Andrea Breth, die auch alle neue Pläne bei mir haben. Meinetwegen stehe ich auch für konservatives Theater, das in fünf Jahren auch wieder Avantgarde sein wird. Die Sinnsuche am Theater kehrt zurück, die Menschen haben Angst vor der Zukunft und suchen Antworten. Das ist auch eine gute Zeit für das Theater. Wenn ich gehen sollte, dann will ich im Triumph das BE verlassen, und die Berliner sollen sich noch in 20 Jahren weinend an mich erinnern."  (APA/dpa)

 

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