"Über Wirtschaftskrise gestolpert"

26. März 2009, 10:27
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"El Pais": "Schlimmste Befürchtungen über EU-Ratsvorsitz Prags bewahrheitet"

Stockholm/Paris/Madrid - Die Tageszeitungen in Europa befassen sich am Donnerstag in Kommentaren mit dem Sturz der tschechischen Regierung, die gerade den EU-Ratsvorsitz innehat, per Misstrauensvotum. Im Folgenden Auszüge im Wortlaut:

  • "Le Monde" (Paris):

"Und nun Prag. Nach Lettland und Ungarn ist die Tschechische Republik das dritte mitteleuropäische Land, das über die Wirtschaftskrise stürzt. (...) Die westlichen Banken, denen die Krise zu schaffen macht, geben weniger Kredite. Unternehmen holen ihre Produktion zurück, Währungen stürzen ab, den Gläubigern geht die Luft aus. In Ländern, wo die Demokratie noch eine neue Idee ist, ergibt dies oft einen explosiven Cocktail. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist für die anderen europäischen Staaten keine gute Lösung. Die wirtschaftlichen Interessen sind nämlich so miteinander verquickt, dass eine große Krise am Rande der EU erhebliche Auswirkungen auch in ihren Zentrum hat."

  • "El Pais" (Madrid):

 

"Es ist nicht das erste Mal, dass ein Land während seiner EU-Ratspräsidentschaft von einer Regierungskrise heimgesucht wird. Die Krise in Tschechien trifft die EU jedoch in einem besonders heiklen Moment. Übel ist, dass US-Präsident Barack Obama sich im April (beim EU-USA-Gipfel; Anm.) neben einen tschechischen Regierungschef Topolanek stellen muss, der nichts mehr zu sagen hat. Noch schlimmer ist, dass die EU bisher gemeint hatte, das Hauptproblem bei der Ratifizierung des Vertrags von Lissabon liege in Irland. Das Durcheinander in Tschechien macht alles noch komplizierter. Mit einem Vaclav Klaus als starkem Mann steht das Abkommen wieder auf der Kippe. Für die tschechische EU-Ratspräsidentschaft haben die schlimmsten Befürchtungen sich bewahrheitet."

  • "Dagens Nyheter" (Stockholm):

"Die Regierung in Tschechien ist gestürzt und die EU damit ohne Präsidentschaft mit politischem Mandat. Die Wirtschaftskrise scheint sich zu einer politischen Krise für die gesamte europäische Zusammenarbeit auszuweiten. (...) Auf kurze Sicht bedeutet die Bloßlegung der EU-Probleme, dass die drei großen Mitgliedsländer Großbritannien, Frankreich und Deutschland für Europa sprechen werden. Die kleineren EU-Staaten landen auf den Zuschauerplätzen. Auf längere Sicht besteht das Risiko einer schwächeren Loyalität gegenüber der EU. Das gesamte Projekt könnte ins Stocken geraten und auch zurückgedrängt werden. Sollte die EU in den kommenden Monaten wirklich ins Straucheln geraten, wird umso mehr von der schwedischen Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte abhängen." (APA/dpa/AFP)

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