Krisenmensch gegen Bulldozer

25. März 2009, 21:48
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Topolánek und Paroubek sind politische Dauerrivalen

Der abgewählte tschechische Ministerpräsident müsste in seinem Element sein, glaubt man seiner Selbstbeschreibung: "Ich bin ein Mensch für Krisen", hatte Mirek Topolánek im Dezember auf dem Parteitag seiner Demokratischen Bürgerpartei ODS erklärt. Die Krise gibt es jetzt. Allerdings - das ist die Einschränkung - sagt er ebenso über sich: "Ich bin keiner, der gerne verliert." Auch deshalb dürfte der 52-jährige Konservative gleich nach dem Misstrauensvotum trotz Rücktrittsankündigung seinen Führungsanspruch in der Regierung bekräftigt haben.

Schon vor seinem Amtsantritt als Regierungschef im September 2006 war der frühere Maschinenbauingenieur aus der mährischen Stadt Vsetín dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die gescheiterte EU-Verfassung bezeichnete er einmal als "shit". Innerhalb seiner EU-skeptischen Partei gehört er - im Gegensatz zu Staatspräsident Vaclav Klaus - aber zu jenen, die den Lissabon-Vertrag als "notwendiges Übel" ansehen und ihn nicht gänzlich ablehnen.

Der ODS ist Topolánek 1994 beigetreten, zwei Jahre später wurde er Senator. In die Schlagzeilen geriet er zu Beginn seiner Regierungszeit zunächst durch sein Privatleben: Nach 27 Jahren Ehe verließ er seine Frau und drei Kinder für Parteikollegin Lucie Talmanova.

Mit einem vergleichbaren Skandal kann sein Amtsvorgänger und Dauerrivale von den oppositionellen Sozialdemokraten nicht aufwarten. Die Niederlage Topoláneks dürfte für Jiøí Paroubek allerdings eine späte Genugtuung sein. Schließlich war er es, der aus dem Machtpoker nach den Parlamentswahlen im Juni 2006 als Verlierer hervorging - nach etwas mehr als einem Jahr an der Spitze der Regierung. Und nachdem er kurz vor der Wahl noch großspurig angekündigt hatte, Topolánek "wie eine Kaffeemühle zermahlen" zu wollen.

Der 56-Jährige aus der osttschechischen Stadt Olomouc sieht sich selbst als "unendlicher Pragmatiker", wegen seiner teilweise brüsken Art trägt er den Spitznamen "Bulldozer". Der studierte Ökonom und ehemalige Vize-Bürgermeister von Prag gehört zu den Befürwortern des Lissabon-Vertrages. Die Sozialdemokraten forderten zudem die "möglichst rasche" Einführung des Euro. (raa/DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2009)

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