Bei Bösendorfer spielt es Kurzarbeit

25. März 2009, 20:46
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Belegschaft rechnet mit Arbeitsplatz-Abbau

Wien - Es werde kein leichtes Jahr für Bösendorfer sein, hatte Yamaha, der neue Eigentümer des traditionsreichen Klavierbauers, vor einem Jahr wissen lassen. Jetzt hauen die Japaner in Österreich jedoch kräftiger als erwartet in die Tasten. Sie haben die von der früheren Bawag-Tochter ausgearbeiteten Sparpläne abgesegnet, nach 140 Jahren erfolgt der Rückzug aus Wien.

Bösendorfer gibt seinen Hauptsitz in der Graf Starhemberg-Gasse mit Ende März 2010 auf, erfuhr die Belegschaft gestern, Mittwoch. Der Schock sitze tief, die Konsequenzen seien weitreichend, ist zu hören. Betroffen sind Verkauf, Verwaltung, die Endfertigung, Schauräume, Übungsstudios, der Bösendorfer Saal. Verkauf und Verwaltung wandern zur Produktion nach Wiener Neustadt. Der Abbau von Arbeitsplätzen ist einkalkuliert. In Wien gibt es fast 60 Beschäftigte.

Die rund 100 Mitarbeiter in Wiener Neustadt arbeiten seit März kurz. Der Absatz ist einmal mehr empfindlich eingebrochen. Für das mit Monatsende ablaufende Geschäftsjahr zeichnen sich Verluste von mehr als drei Millionen Euro ab. Im Jahr davor waren es mehr als zwei Millionen Euro. Mutter Yamaha muss für Bösendorfer umgerechnet 18,6 Mio. Euro wertberichtigen, ließ der Konzern Investoren vor wenigen Tagen wissen. Yamaha hat die Manufaktur Ende 2007 gekauft und ihr damals eine Kapitalspritze von zwei Mio. verpasst.

Auch Yamaha hat sich nach Verlusten eine rigorose Restrukturierung verordnet. Managergehälter werden gekürzt, die Klavierwerke in England und Taiwan geschlossen, die Fertigungen stattdessen in China, Japan und Indonesien konzentriert. In England werden fast 100 Mitarbeiter den Job verlieren.

Der Sparkurs der Mutter schlägt auf Bösendorfer durch. Die Probleme des Betriebs sind aber alt, der Verlust wächst von Jahr zu Jahr. Yamaha musste beim Kauf von Bösendorfer eine Standortgarantie abgegeben. Was in Wien bleibt, ist freilich allein der kleine Stadtsalon in der Bösendorferstraße. Die Unternehmensführung teilte via Aussendung mit, der Schritt diene der "Konsolidierung des Betriebs und Absicherung des Standorts Österreich" . Er ermögliche eine substanzielle Einsparung von Fixkosten. 2013 soll der Turnaround gelingen. (Verena Kainrath/DER STANDARD-Printausgabe, 26. März 2009)

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