"Finanzkrise verschärft den Hunger"

25. März 2009, 18:55
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Die Zahl der hungernden Menschen wird voraussichtlich die Ein-Milliarden-Grenze überschreiten

Wien - Jeder Prozentpunkt weniger Wirtschaftswachstum verursache in den Entwicklungsländern die Verarmung von rund 20 Millionen Menschen, erklärt Ralf Südhoff, Leiter des Berlinger Büros des United Nations World Food Programme (WFP). "Die Finanzkrise verschärft den Hunger", erklärt Südhoff, der deshalb heuer einen traurigen Rekord erwartet: Die Zahl der hungernden Menschen werde voraussichtlich die Ein-Milliarden-Grenze überschreiten. Das Food-Programm seiner Organisation wird deshalb mit mehr als fünf Milliarden Dollar (3,9 Mrd. Euro) dotiert sein.

Aufgrund der Finanzkrise verringern sich die Geldflüsse für strukturelle Hilfe in die zumeist südlichen Länder bereits spürbar. Die Geberländer schrauben ihre Entwicklungshilfe zugunsten von Banken-Hilfspaketen zurück, bedauert Südhoff. Und weil die Entwicklungshilfe vielfach an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Geberlandes gekoppelt ist, gehen die Geldströme zurück; abgesehen davon, dass viele EU-Länder, auch Österreich, weit von dem EU-Ziel entfernt sind, 0,7 Prozent ihres BIP der Dritte-Welt-Hilfe zu überlassen.

Ein weiteres Problem sind die nachlassenden Geldströme von Emigranten. Länder wie Nicaragua oder Westafrika hängen zu einem hohen Teil von den Transfers ihrer Auswanderer ab. Wenn diese arbeitslos werden, versiegt diese Quelle. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.03.2009)

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