Kein privates Pläsier

25. März 2009, 18:53
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Sparen wir uns die Reformen, dann sparen wir uns viele Lehrer, die in den vergangenen zwei Jahren dafür angestellt wurden - Von Lisa Nimmervoll

Unter dem Motto "Sicher ist sicher" hat sich die Beamtengewerkschaft am Mittwoch einen Streik auf Vorrat zurechtgelegt, um ihn bei Bedarf auf die Straße zu holen. Das war keine Überraschung. Denn der Karren zwischen Lehrergewerkschaft und Bildungsministerin Claudia Schmied ist so verfahren, dass es schwer vorstellbar ist, dass ihn die beiden Kontrahenten noch flottkriegen könnten.

Kernpunkt der Schmerzphase, in der die Bildungspolitik steckt, ist das unbestritten zu knappe Budget, das die Dramatik der Wirtschaftskrise erahnen lässt. Nicht nur im Schulbereich, der ist nur der Vorbote der heraufdräuenden Qualen. Das sollte die Regierungsspitze endlich auch sagen. Zumal Bildungspolitik nicht das private Pläsier der Frau Schmied ist. Diese hat kaum Spielraum, fast 90 Prozent ihres Budgets sind fixe Personalkosten. Die Schulreformen und Bauinvestitionen, die Schmied will, nützen Kindern und Lehrern. Oder glaubt irgendwer, dass etwa das für Deutschförderkurse budgetierte Geld in Deutsch-Türkisch-Wörterbücher fürs fröhliche Heimwerkerstudium gesteckt wird? Nein, dieses Geld sichert den Kindern ihren Deutschkurs - und vielen Lehrern ihren Job, den sie sonst gar nicht hätten.

Die Alternative ist so banal wie furchterregend: Sparen wir uns die Reformen, dann sparen wir uns viele Lehrer, die in den vergangenen zwei Jahren dafür angestellt wurden, die alten Schulen tun's doch auch. Dann geht es Schülern und Lehrern gleich schlecht wie früher. Ist das gewollt? Es wird interessant sein, wer diese Wahrheit aussprechen wird. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 26. März 2009)

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