Die kleine Wilde zum Hüpfen

27. März 2009, 15:42
  • Die einfache Infrastruktur von Unterkünften auf El Hierro ist kein Thema - Pools, natürlich beheizt und von bester Wasserqualität, hat die Bucht von Tacorón selbst eingerichtet.
    foto: turismo canarias s.a.

    Die einfache Infrastruktur von Unterkünften auf El Hierro ist kein Thema - Pools, natürlich beheizt und von bester Wasserqualität, hat die Bucht von Tacorón selbst eingerichtet.

Die Kanaren wollen sich gerade kein Ende der Welt leisten - Die westlichste Insel El Hierro wird nun seit wenigen Tagen mit Billigflügen erschlossen

Wenn die Wolken durch den Wald ziehen, sieht es auf dem Sendero de la Llanía aus, als ob die Feen tanzen. Dieser Wanderweg auf der Kanareninsel El Hierro liegt bereits in jener Gipfelregion der Vulkanberge, die auch Cumbre genannt wird. Der Waldboden ist weich, und die Bäume haben Bärte, denn die Luft ist so klar hier heroben, dass sich in den Kronen und an den Astgabeln Flechten bilden. Vereinzelt wachsen Farne auf dem Boden, die Stille wird nur von ein paar Vogelstimmen durchbrochen.

El Hierro, die westlichste der Kanareninseln, ist wegen ihrer Randlage touristisch kaum erschlossen. Bisher gibt es nur 3000 Gästebetten auf der Insel, die im Jahr 2000 zum Unesco-Biosphärenreservat erklärt wurde. Ein kleiner Flughafen existiert auf der Insel zwar bereits seit 1972, benutzt wird er aber vorwiegend von den Einheimischen. In Zeiten deutlicher Rückgänge der Besucherzahlen auf allen Kanareninseln wurden nun die Flugpreise der lokalen Airline Binter Canarias diese Woche drastisch gesenkt, die Frequenzen werden am Osterwochenende erhöht. Manche Inselhüpfer wird es jedenfalls freuen, nun auch auf diesem Weg unverhofft schnell hier zu landen.

Auf einer Lichtung der bewaldeten Cumbre weichen die Baumheide und der Gangelbaum für einen Augenblick zurück und geben einen Platz so groß wie ein halbes Fußballfeld frei. Hier soll sich eine Kultstätte für Vollmondrituale befunden haben, meinen die Einheimischen. Denn die Ureinwohner El Hierros, die Bimbaches, glaubten bis zum 15. Jahrhundert an den Gott Eraorahan und die Göttin Moneiba. Erst als die Spanier die Insel eroberten, verloren die Einwohner den Bezug zu den alten heidnischen Ritualen. Der Schatz der Mythen um die Kultstätten El Hierros ist dennoch groß geblieben, Opfersteine und Steinskulpturen findet man bereits in der unmittelbaren Umgebung des Flughafens.

Küste wilder als der Wein

Im fruchtbaren Golfo-Tal im Nordwesten der Insel herrscht ein völlig anderes, sehr mildes Klima, deswegen haben sich die meisten der 10.000 Einwohner auch hier angesiedelt. Man baut Wein, Bananen und Zitrusfrüchte an, nur die Küste selbst bleibt rau und die Meeresströmung stark. Die etwas weiter westlich gelegene Kapelle Virgen de los Reyes erinnert immer wieder mahnend daran. Rund um eine Madonna wurde sie gebaut, die Matrosen aus Florenz den Herreños schenkten. Erst durch diesen Tribut soll es dem Kapitän eines gestrandeten Handelsschiffes gelungen sein, das Schiff wieder ins offene Meer zu steuern.

An ein Bad im Meer vor dem kleinsten Hotel der Welt, von den Einheimischen liebevoll "El Hotelito" genannt, ist also gar nicht erst zu denken. Es liegt auf einer Lavafelszunge vor Las Puntas, und die Wellen sind im Winter manchmal so hoch, dass man ohnehin riskiert, auf dem Weg in eines der drei Zimmer nass zu werden. Als jene Kanaren-Insel mit den wenigsten Bademöglichkeiten hält El Hierro in der Nähe von La Restinga, im Südwesten der Insel, aber dennoch eine Überraschung bereit.

Anstelle von breiten, sandigen Stränden liegen hier von der Natur geschaffene Meeresbecken, die zu Fuß oder mit dem Auto zu erreichen sind. Die Straße windet sich steil die von schwarzer Lava verkrustete Küste hinunter. Erst am Fuße des Berges taucht dann mit dem "Tacorón" jene Badestelle auf, die über mehrere im Felsen befestigte Leitern erreichbar ist. Ins warme Meereswasser gleitet man hier und lässt sich vom Atlantik ungewöhnlich sanft in der Bucht hin- und herschaukeln. Das Meer hat an dieser Stelle selbst im Winter eine Temperatur von über 20 Grad, und die natürlichen Liegeflächen nutzen den ruhigen Windschatten der felsigen Bucht. (Bettina Louise Haase/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22. März 2009)

Touristische Informationen: www.turismodecanarias.com oder www.spain.info

Flugverbindung z. B. mit www.flyniki.com, Inlandsflüge: www.bintercanarias.com

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Ganzjährige regelmäßige Schiffsverbindungen

von und nach San Sebastian de La Gomera bzw. Los Christianos im Süden von Tenerife.
Flugverbindungen mit Tenerife meist vom dortigen Nordflughafen Los Rodeos, sowie mit der Insel La Palma.

Zitrusfrüchte sind auf Hierro

nicht sonderlich erwähnenswert,
wohl aber Ananas-Plantagen.

Die Ureinwohner haben dank der Spanier nicht nur die heidnischen Rituale verloren, haben Sie mal den deutschen Wiki-Eintrag gelesen ?

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