Fast alles unter Kontrolle

27. März 2009, 10:47
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Das Thema Doping beschäftigt auch das österreichische Fußballteam. Mannschaftsarzt Ernst Schopp hält nichts von Sonderregeln für Kicker

Velden - Sebastian Prödl hätte prinzipiell kein Problem damit, jederzeit in ein Glas zu urinieren. Sollte ein Dopingjäger unangemeldet an seiner Haustür in Bremen läuten, zum Beispiel an einem beliebigen Mittwoch im Morgengrauen, er würde aufmachen, nach dem Ausweis fragen, ihn reinlassen und den Wunsch des Herrn erfüllen. Ohne zu murren. "Es muss so sein, Kontrollen gehören gemacht, das ist prinzipiell okay."

Teamverteidiger Prödl hat in Velden und somit eher am Rande der Welt mitbekommen, dass die Fußballverbände Fifa und Uefa die Vorgaben der Welt-Anti-Dopingagentur Wada nicht erfüllen wollen. Athleten müssen Aufenthaltsorte fortlaufend drei Monate im Voraus bekannt geben, die obersten Fußballer wollen da nicht mitspielen, verlangen spezielle Regeln für den Mannschaftsport. Wada-Präsident John Fahey sieht das freilich überhaupt nicht ein, denn eines der Grundprinzipien effizienter Dopingkontrollen seien der Überraschungseffekt und die Möglichkeit, Sportler ohne vorherige Ankündigung 365 Tage im Jahr testen zu können. Und zwar überall. "Die Forderung von Fifa und Uefa, dass Tests nur an Trainings- oder Spielstätten und nicht während der Ferienzeiten durchgeführt werden sollten, ignoriert die Realität des Dopings im Sport."

Die Offenlegung

Das österreichische Nationalteam ist dieser Tag ganz leicht zu erwischen, die nationale Anti-Dopingagentur Nada weiß, dass es sehr realistisch in Velden weilt und sich auf das WM-Qualifikationsspiel am 1. April gegen Rumänien vorbereitet. Vermutlich werden bis dahin die Kontrolleure auftauchen und mit Harnproben von sechs Kickern quasi wieder abtauchen. ÖFB-Teammanager Bernhard Neuhold hat gleich nach der Kaderbekanntgabe das detaillierte Programm an die Nada per Mail weitergeleitet. Jede Trainingseinheit wurde angeführt. Sollte das Mittagessen aus einer Laune heraus einmal gestrichen werden, müsste das 24 Stunden vorher gemeldet werden. Abgesehen davon würde Coach Dietmar Constantini so einen Schwachsinn natürlich niemals anordnen.

Der Nada ist zum Beispiel bekannt, dass sich die Mannschaft am Donnerstagabend in Klagenfurt das dritte Eishockeyfinale zwischen dem KAC und Salzburg anschaut und deshalb ein unangemeldeter Besuch im Quartier die Grenze zur Sinnlosigkeit überschreiten würde.

Ernst Schopp, der Teamarzt, spricht mit den Kickern regelmäßig über Doping. "Das Thema muss man analytisch und nicht emotional angehen", sagt er. Ohne selbst eine Lösung anbieten zu können, betrachtet Schopp die Vorgehensweise von Fifa und Uefa "als problematisch. Man kann einen Fußballer nicht anders als einen Radfahrer oder Kraftsportler behandeln. Mit zweierlei Maß zu messen, wäre fatal. Vermutlich ist die Bekanntgabe des Lebensplans die einzige wirksame Möglichkeit. Trotz der Gefahr, dass der Mensch gläsern wird und dass manche Dinge auch in einem geplanten Leben unvorhersehbar bleiben."

Stürmer Stefan Maierhofer hält die Vorschriften "für menschenunwürdig. Ich kann doch nicht wissen, was ich in zwei Monaten mache und wo ich gerade bin. Vielleicht bei der Tante oder im Supermarkt. Wenn sie den Maierhofer testen wollen, finden sie mich doch ganz leicht. Ich spiele bekanntlich bei Rapid. Und ich bin kaum zu übersehen."

Bei Tormann Jürgen Macho ist die Situation freilich nicht ganz so eindeutig. Er weiß nur, dass er AEK Athen im Sommer verlassen wird, da ihn die Reservistenrolle in Griechenland extrem anödet. "Keinen Plan, wo ich dann lande." Auch die Nada wird sich gedulden müssen. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 26. März 2009)

 

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    Stefan Maierhofer möchte kein gläserner Fußballer und also nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Dem nicht ganz so hohen Arzt Ernst Schopp fällt aber keine Alternative ein.

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