"Wir brauchen Hilfe"

25. März 2009, 18:13
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Land wird der Gewalt nicht mehr Herr - US-Sicherheitskräfte im mexikanischen Drogenkrieg

Mexico-Stadt/Washington - Ciudad Juárez war schon immer ein hartes Pflaster. Was amerikanische Touristen jedoch nicht davon abhielt, auf der Suche nach billigem Bier dort die Nacht zum Tage zu machen. Seit einigen Monaten bleiben die Nachtschwärmer jedoch aus. Selbst viele der 1,8 Millionen Einwohner fühlen sich in letzter Zeit nicht mehr sicher in der mexikanischen Grenzstadt. Bürgermeister José Reyes Ferris verlegte gar seinen Wohnsitz nach El Paso (Texas) auf die amerikanische Seite und pendelt über die Grenze zu seinem Arbeitsplatz.

Schuld sind die mexikanischen Drogenkartelle. 2000 Tote wurden hier in den vergangenen 14 Monaten gezählt. Denn in Juárez, das als Drehscheibe für 40 Prozent der in die USA geschmuggelten Drogen fungiert, liefern sich gleich drei Kartelle, das Juárez-, das Sinaloa- und das Michoacán-Kartell, einen mörderischen Krieg.

Die Lage ist so dramatisch, dass Anfang März 7500 mexikanische Soldaten in Juárez aufmarschieren, um der Gewalt Einhalt zu gebieten. Nun kündigte auch der Nachbar im Norden neue Sicherheitsmaßnahmen an der Grenze an. Washington will 184 Millionen Dollar bereithalten und 360 zusätzliche Sicherheitskräfte und Ermittler an die Grenze schicken. Es wird sogar erwogen, die Nationalgarde an die Grenze zu schicken. Seit Mittwoch weilt auch US-Außenministerin Hillary Clinton in Mexiko, um sich unter anderem über den Drogenkrieg mit ihrer Kollegin, Außenministerin Patricia Espinosa, zu beraten.

Die Maßnahmen Washingtons finden Beifall in Mexiko, wo der rechtskonservative Calderón zunehmend in der Kritik steht. Denn trotz eines landesweiten Aufgebots von 45.000 Armeeangehörigen und 5000 zusätzlichen Bundespolizisten ist es ihm nicht gelungen, die Strukturen des organisierten Verbrechens zu schwächen. Das Land werde der Gewalt allein nicht Herr, sagt der Chef der Handelskammer in der Grenzstadt Tijuana, Roberto Quijano: "Wir brauchen Hilfe."

Dass diese aus Washington kommen muss, das ist für die meisten Mexikaner selbstverständlich. Schafft doch der große Bruder im Norden erst die Nachfrage nach Marihuana, das auf mexikanischen Feldern gedeiht, und nach Kokain, das zumeist aus Kolumbien kommt und über die Grenze geschmuggelt wird. Im Gegenzug floriert der illegale Waffenhandel gen Süden. (Rita Neubauer/DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2009)

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