Deutsch vor Zuwan­derung "nicht praktikabel"

25. März 2009, 18:02
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NGOs loben die gute Absicht und bemängeln das Ergebnis: Kritik an Deutschkurs-Forderung und "Problembrille" Fekters

Mit Lob garnierte Kritik hagelte es am Mittwoch von Organisationen, die im Bereich MigrantInnenberatung tätig sind. So bezeugten zwar alle Vereine in ihren Aussendungen, erfreut darüber zu sein, dass es nun einen Nationalen Aktionsplan für Integration gibt - dieser sei ein Schritt, um die Integrationsdebatte von sicherheitspolitischen Themen zu trennen, meinte etwa der Wiener Caritas-Präsident Michael Landau. 

"Nicht praktikabel"

So viel zur guten Absicht -  für die Umsetzung wussten die NGOs jedoch wenig Lob zu verteilen. Beispiel Deutschkurs vor der Zuwanderung: Dies sei schlicht "nicht praktikabel", so Landau. Man sehe am Beispiel Deutschland, wo die Forderung bereits seit über einem Jahr Gesetz ist, dass das Modell nicht funktioniere, meint auch Angela Magenheimer, Obfrau von Ehe ohne Grenzen. So gebe es in der gesamten Russischen Föderation gerade einmal zwei Goethe-Institute, die einen zertifizierten Deutschkurs anbieten - hier dennoch auf Deutschkenntnisse zu pochen, hält  Magenheimer für "populistisch".

"Rein defizitorientiert"

Bemängelt wurde auch der negative Unterton des Papiers: Fekters Integrationsverständnis sei "rein defizitorientiert", kritisieren der Verein Zara und der Klagsverband für Diskriminierungsopfer in einer gemeinsamen Aussendung. Das Programm teile die Verantwortung für den Integrationsprozess allein den ImmigrantInnen zu und lasse Ansätze zur Diskriminierungsbekämpfung gänzlich vermissen.

Ähnlich sieht es Caritas-Präsident Franz Küberl, der in die Debatte ein neues Vokabel einführt: Der "rosaroten Brille", die Anhängern des Multikultigedankens oft nachgesagt wird, stellt Küberl eine "Problembrille" entgegen, welche die Ministerin beim Erstellen des Papiers scheinbar getragen habe und die "uns nicht weiter führt". Integration müsse beides beinhalten: Leistungen einzelner Zuwanderer, aber auch Beiträge der "österreichischen Gesellschaft".

"Keine Schweinsbratendebatte"

Küberls Wiener Kollege Landau äußert auch Skepsis darüber, erfolgreiche Integration anhand von Indikatoren messen zu wollen: "Wir sollten in Österreich keine Schweinsbratendebatte führen. Menschen sind nicht dann integriert, wenn sie unsere Essgewohnheiten übernehmen oder Heimatlieder singen."

Wie gelungene Integration aussieht, meint Angela Magenheimer aus eigener Erfahrung zu kennen, denn: "Binationale Ehepaar leben das vor, was die Politik als `Integration`buchstabiert." (mas, derStandard.at, 25.3.2009)

 

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