Russische Staatsanwaltschaft analysiert Südossetien-Krieg

25. März 2009, 17:36
43 Postings

Ergebnisse sollen an internationale Gerichtsinstanzen weitergeleitet werden

Moskau/Wien - Die russische Staatsanwaltschaft schließt demnächst ihre Analyse zur "Ermordung russischer Bürger und Friedenssoldaten" im August 2008 in Südossetien während des georgischen-russischen Krieges ab und wird die Ermittlungsergebnisse an internationale Gerichtsinstanzen weiterleiten. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch der russischen Agentur RIA Novosti mit.

"Demnächst sollen Unterlagen zum Untersuchungsverfahren an internationale Strafinstanzen überstellt werden, damit eine Entscheidung zur strafrechtlichen Verfolgung von Personen aus der höchsten politischen und militärischen Führung Georgiens getroffen wird, die am Genozid und an der massenhaften Ermordung von Bürgern der Russischen Föderation und von Angehörigen der russischen Friedenstruppe in Südossetien schuld sind", sagte Markin.

Beweise für Bombardierung von Zivilisten

Die Ermittlung habe inzwischen ergeben, dass infolge der georgischen Kampfhandlungen in Zchinwali und in anderen Ortschaften des Gebiets 655 Wohnhäuser vollständig, und 2.139 Häuser teilweise zerstört wurden. Mehr als 36.000 Osseten, zumeist ältere Menschen, Frauen und Kinder, hätten Südossetien während der Kampfhandlungen verlassen. Es lägen weiters Beweise für den Einsatz von Streugeschoßen und 500 Kilogramm schweren Flugzeugbomben gegen die Zivilbevölkerung Südossetiens durch die georgische Armee vor.

Klagen vor Menschenrechtsgericht

In Südossetien lebende Staatsbürger Russlands sowie verletzte russische Soldaten und Angehörigen der getöteten Militärs hatten laut RIA von August bis Oktober 2008 beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klagen wegen zahlreicher Verstöße gegen ihre Rechte während der Kampfhandlungen Georgiens eingereicht. Bei der Behörde hätten sich insgesamt mehr als 3.300 Beschwerden gesammelt.

Moskau und Tiflis schieben sich gegenseitig die Schuld am Ausbruch des Krieges im August zu. Während Russland von einem georgischen Angriff spricht, meint Tiflis, dass der Krieg mit Russland um die von Georgien abtrünnige Region Südossetien "unvermeidlich" gewesen sei, wie der georgische Vizepremier Giorgi Baramidse Mitte März in Wien betonte. "Wir konnten die russischen Pläne nicht ändern", so Baramidse. Tiflis unterstütze eine Aufklärung der Ereignisse in dem Gebiet. Moskau hat Südossetien sowie die zweite abtrünnige Region Abchasien als unabhängig anerkannt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei dem georgischen Angriff auf Zchinwali wurden mehr als 2800 Wohnhäuser völlig bzw. teilweise zerstört

Share if you care.