
Ein Lagermitarbeiter bringt den RFID-Chip auf einem Reifen an, darauf sind zum Beispiel Reifentyp, Felge, Charge und Produktionsdatum gespeichert.
RFID, eine elektronische Identifikationsplankette, ist aus der Logistikkette nicht mehr wegzudenken. Damit lässt sich etwa die Lagerhaltung effizienter gestalten. Eine EU-Initiative soll Datenschutzbedenken entkräften.
***
"Es ist die innovativste Technologie der letzten Jahre, die für alle Beteiligten große Vorteile bringt und sich dennoch abseits der Logistik nicht durchsetzt" , resümierte IBM-Forscher Moshe Rappaport auf einer IT-Konferenz vergangene Woche in Wien. Die Rede war von Radio Frequency Identification, kurz RFID, einer Technologie, mittels deren Daten zur Identifikation von Gegenständen, Tieren oder auch Menschen über Funk übertragen werden können. Sie besteht in der einfachsten Form aus einem kleinen Mikrochip und einer Antenne aus dünnem Kupferdraht.
Im Handel und in der Logistik kommen RFIDs zum Einsatz, die keine Batterie enthalten und nur mit entsprechenden Lesegeräten auf eine Entfernung bis zu zehn Metern ausgelesen werden können. Neben der Produktnummer hat jeder Chip auch einen sogenannten Electronic-Product-Code gespeichert, der Artikel eindeutig identifiziert. Dies bringt für Hersteller oder Händler den Vorteil, stets zu wissen, wo sich Waren beim Transport oder im Lager gerade befinden.
Im Logwin-Reifenlogistikzentrum in Traiskirchen bei Wien etwa werden RFID-Tags zur Identifizierung von Kompletträdern eingesetzt. "Damit vereinfachen wir das Handling, sparen Zeit und können Warenbewegungen noch zuverlässiger abbilden" , erklärt Michael Peschek von Logwin. Jeder Reifen hat eine eigene Kennnummer, die an verschiedenen Punkten der Logistikkette automatisch erfasst wird. Jeder Nummer ist eine Vielzahl von Informationen zugeordnet: Reifentyp, Felge, Charge, Produktionsdatum.
Die ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria setzt bei größeren logistischen Herausforderungen, etwa bei dem Containerzug von und nach China, auf RFID. Während der 11.000 Kilometer langen Reise, wissen die Kunden jederzeit, wo sich ihre Ware gerade befindet.
Heimisches Know-how hat daran einen gewissen Anteil: Die Vorarlberger Identec Solutions AG etwa entwickelt seit 1999 aktive RFID-Systeme und ist laut eigenen Angaben weltweiter Marktführer auf diesem Gebiet. Die Lösungen sollen in Transport und Logistik, im Gesundheitswesen oder in der Halbleiterindustrie für wirtschaftlichere Prozesse sorgen.
Informationspflicht gefordert
RFID scheint für alle Beteiligten Vorteile zu bringen, doch wo bleibt der Durchbruch? "Mit RFID ist es möglich" , erklärt Moshe Rappaport, "anstelle eines Garantiescheins aus Papier Informationen direkt auf den Chip zu speichern." Dennoch haben Kunden Bedenken: Ein neugieriger Mensch könnte etwa "im Vorbeigehen" erfahren, welche Waren in der Einkaufstasche verborgen sind.
Datenschützer fordern daher eine Informationspflicht ein: Konsumenten müssten wissen, wo sich der RFID-Transponder genau befinde, welche Daten abgespeichert seien und wie man ihn entfernen könne. Diese Bedenken haben nun auch die EU auf den Plan gerufen.
Anfang März startete die Initiative "RFID in Europe" . EU-Kommissarin Viviane Reding sieht in den vielen RFID-Anwendungen Chancen für wirtschaftliches Wachstum wie auch für die Abdeckung sozialer Bedürfnisse. RFID schaffe die Basis für ein besseres und sichereres Gesundheitswesen, erheblich verbessertes Supply-Chain-Management oder kostengünstiges Umweltmonitoring. (Gregor Kucera, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.03.2009)
Viel Lärm um nichts: Die umstrittene Kooperation Railselect zwischen ÖBB und Deutscher Bahn steht mangels Fracht auf dem Abstellgleis
In der Krise schwimmen Transporter und Logistiker gegen den erlahmenden Güterstrom. Neue, flexiblere Systeme und Dienstleistungen sollen helfen, die Talsohle zu überwinden
Gebrüder-Weiss-Chef Niessner über die Schmerzen der Logistikbranche, das Festhalten an der Expansion selbst in der Krise und die ÖBB
Was alles in den ausgelagerten Abstellräumen Platz findet, zeigt ein Besuch in einem Containerblock am Rand von Wien
Durch den Klimawandel öffnen sich neueSchifffahrtswege von Europa nach Asien - die Routen sind umstritten
Hans-Georg Wurmböck vom Fachverband der Schifffahrtsunternehmungen über den Piraterie-"Boom", teurere Versicherungen und Festnahmen
AK-Verkehrsexpertin Leodolter und WKO-Fachverbandsgeschäftsführer Bauer diskutierten über Dieselbesteuerung, Gigaliner und Dumpingpreise
Mit ihrem rollenden Protest in der Wiener City wollen die Transporteure auf ihre existenzbedrohende Situation aufmerksam machen
Transporte zwischen Krisenindustrien sind besonders stark getroffen, Lebensmitteltransporte gingen "nur" um sechs bis sieben Prozent zurück
Ministerin Doris Bures im Interview über Post, Bahn, andere Großbaustellen und ihre Prioritäten in der Verkehrspolitik
Mit grüner Logistik können Gütertransport und Nachhaltigkeit doch zu einer blühenden Verbindung werden
Gigantische Nurflieger, kilometerlange Förderbandanlagen und Präzisionsarbeit machen UPS zum packenden Partner
Frachtschiffe kommen öfters mit Piraten in Berührung als ihnen lieb ist. Begehrt ist viel eher das Lösegeld als die Fracht
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.